Den Ölkonzernen war die Klimaaufheizung schon in den 70er Jahren bekannt. Sie verschwiegen jedoch die eigenen Forschungen. Der Konzern ExxonMobil log sogar über eine drohende globale Abkühlung. Von Thomas Walter
Die Funktionsweise des Kapitalismus führt dazu, dass trotz technischen Fortschritts selbst offensichtliche und einfache, zur Bewahrung unserer Lebensbedingungen erforderliche Schritte nicht gemacht werden.
Abgesehen von einem Weltkrieg droht der Menschheit derzeit durch die Klimakatastrophe die größte Gefahr. Dabei warnt die Wissenschaft seit langem vor der Klimaveränderung. 1985 erläuterte Carl Sagan vor dem US-Kongress den Treibhauseffekt. CO2 lässt Sonnenlicht zur Erdoberfläche durch, verhindert aber, dass es wieder abgestrahlt wird. Der Anstieg von CO2 in der Atmosphäre wirkt wie das Glasdach eines Gewächshauses.

Quelle: wikipedia, Urheber: Efbrazil
Klimaerwärmung schadet Mensch und Wirtschaft
Inzwischen sind die Klimaerwärmung und ihre Folgen unübersehbar. Wetterextreme nehmen zu und die Folgen sind dramatisch: Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Sterbefälle aufgrund der Hitzewelle in Deutschland 2026 auf 15.600 Menschen. Waldbrände nehmen zu. In vielen Ländern erreichten die Wasserstände neue Tiefstwerte. 2018 führte der Wasserverlust an Euphrat und Tigris im Irak dazu, dass salziges Meerwasser ins Landesinnere strömte und das Trinkwasser verdarb. Im Irak steigen die Temperaturen im Sommer auf über 50 Grad Celsius. 100.000 Iraker:innen mussten ins Krankenhaus, weil sie vom versalzten Wasser getrunken hatten. In Basra kam es zu Massenprotesten. Arbeiter:innen forderten sauberes Trinkwasser.
Greenpeace schätzt die wirtschaftlichen Kosten für 2026 auf 36 Mrd. Euro für Deutschland. Das Bundesumweltamt rechnet mit Kosten von 900 Mrd. Euro für die nächsten 25 Jahre. Ein Großteil dieser Kosten entsteht für die »Allgemeinheit«. Aber auch die Konzerne werden einige Milliarden an zusätzlichen Ausgaben haben. Es wäre also auch im Interesse der Industrie, den Klimawandel zu bekämpfen.
Dennoch erweist sich der Kapitalismus als unfähig, rechtzeitig Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Woher kommt das?
Profite um jeden Preis
Im Kapitalismus stehen nicht die Bedürfnisse von Mensch und Natur im Vordergrund, sondern die Profite des Kapitals. Die Konzerne müssen ihre Produktivität stetig steigern, um gegen die Konkurrenz bestehen zu können. Mehr Profite bedeuten mehr Investitionen und bessere Überlebensaussichten, weniger Profite bedeuten den Untergang.
Unendliches Wachstum?
Immer mehr Produzieren und in immer produktivere Anlagen Investieren funktioniert nur dann, wenn die Wirtschaft wächst. Kapitalismus braucht Wirtschaftswachstum.
Doch mehr Produktion bedeutet mehr Ressourcenverbrauch – Rohstoffe und Energie – und dadurch mehr CO2-Emissionen und mehr Abfall.
Marx warnte im »Kapital«: »Große Industrie und industriell betriebene große Agrikultur wirken zusammen. Wenn sie sich ursprünglich dadurch scheiden, dass die erste mehr die Arbeitskraft und daher die Naturkraft des Menschen, die letztere mehr direkt die Naturkraft des Bodens verwüstet und ruiniert, so reichen sich später im Fortgang beide die Hand, indem das industrielle System auf dem Land auch die Arbeiter entkräftet und Industrie und Handel ihrerseits der Agrikultur die Mittel zur Erschöpfung des Bodens verschaffen.«
Das ist, auf lange Sicht, auch für die Konzerne ein Problem. Spätestens, wenn der Planet unbewohnbar ist, werden sie keine Profite mehr machen können.
Aber die Konzerne müssen jetzt in der Konkurrenz überleben, nicht in fünfzig Jahren. Einen längeren Planungshorizont kann sich kein Konzern leisten, sonst wird er aus dem Markt gedrängt, bevor sich die längerfristige Planung auswirken kann.
Abwälzen auf die Allgemeinheit
Investitionen in energieeffizientere Produktion, Abfallvermeidung oder -wiederverwertung werden Kapitalist:innen nur tätigen, wenn es sich unmittelbar lohnt. Meist ist es aber profitabler für sie, wenn sie die Folgekosten auf die Allgemeinheit abwälzen – also auf andere Kapitalist:innen und auf die Arbeiter:innen.
Energiekonzerne haben zum Beispiel jahrzehntelang mit Atomkraftwerken Milliarden verdient. Was mit dem radioaktiven und hochgiftigen Müll hinterher passiert, hat sie nicht interessiert.
Umweltschutz per Gesetz
Die Staaten könnten die Konzerne zwingen, unsere Umwelt zu schonen und die notwendigen Maßnahmen zur Rettung unserer Lebensbedingungen zu ergreifen. Aber sie tun es nicht. Stattdessen treffen sich Delegationen der Länder bei Klimakonferenzen und besprechen Ziele, die nicht eingehalten werden. Insbesondere die Industriestaaten, alte wie Deutschland und die USA und neue wie Indien und China, blockieren jede wirksame Maßnahme zum Klimaschutz.
Während sich die Bundesregierung auf die Schultern klopft, wie sehr sie sich bemüht hat – aber »leider« am Widerstand der anderen gescheitert ist – setzt Merz in der EU durch, dass VW und Konsorten auch weiterhin unbegrenzt CO2 durch Auspuffe blasen dürfen. Wenn eine Regierung tatsächlich mal die Konzerne zwingt, dann nur unter massivem Druck aus der Bevölkerung. Selbst dann tut sie es halbherzig oder auf eine Weise, die den Konzernen hilft und uns Milliarden kostet – der Atomausstieg durch die Merkel-Regierung ist ein Beispiel.
Die Logik dahinter ist ganz einfach: Natürlich wollen sie alle unseren Planeten retten. Aber nicht, wenn den eigenen Konzernen dadurch ein kurzfristiger Nachteil entsteht.
Staatenkonkurrenz
Es konkurrieren nicht nur Unternehmen gegeneinander, sondern auch die kapitalistischen Staaten. Staaten versuchen, internationale Kapitalinvestitionen anzulocken – auch, indem sie auf Umweltschutz verzichten.
Die staatliche Konkurrenz hat auch eine militärische Seite. US-Techkonzerne bauen für ihr KI-Training Rechenzentren von der Größe von Kleinstädten. Dabei geht es nicht nur um die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen, sondern auch um den Einsatz von KI in der modernen Kriegsführung. Mittlerweile verbrauchen diese Rechenzentren fast zehn Prozent des gesamten Stroms der USA.
Die Bundesregierung sucht in der internationalen Konkurrenz eine Unabhängigkeit von US-amerikanischen Konzernen. Den Strom dafür will Bundeswirtschaftsministerin Reiche mit neuen Gaskraftwerken produzieren lassen.
China alleine hat 2025 über 40 neue Kohlekraftwerksblöcke in Betrieb genommen und wird in den nächsten Jahren weitere 100 bauen.
Unser Planet läuft auf einen Abgrund zu und beschleunigt immer weiter – diverse Kipppunkte sind schon erreicht. Es wird Zeit, diesem Wahnsinn ein Ende zu bereiten. Wie schon Marx wusste: »Selbst eine ganze Gesellschaft, eine Nation, ja alle gleichzeitigen Gesellschaften zusammengenommen, sind nicht Eigentümer der Erde. Sie sind nur ihre Besitzer, ihre Nutznießer, und haben sie den nachfolgenden Generationen verbessert zu hinterlassen.«