Für die Rendite: VW-Bosse opfern 50.000 Arbeitsplätze

Kapitulation nutzt nicht nur den Bossen, sondern auch der AFD. Wir brauchen Klassenkampf statt Co-Management.

Die VW-Bosse argumentieren, dass die deutschen Werke nicht mehr rentabel und die Löhne zu hoch seien.

Richtig ist, dass die Autoproduktion von VW in den Standorten in Deutschland immer noch Gewinne abwirft – allerdings nur halb so viele, wie die Aktionär:innen erwarten.

Großanleger:innen erwarten mindestens neun Prozent Zinsen. VW schafft in den Kernmarken nur 4,8 Prozent.

Sanierung zulasten der Beschäftigten

Das Management versucht nun zulasten der Beschäftigten die Gewinnspanne zu erhöhen. Dabei sind die Arbeiter:innen nicht schuld am Gewinneinbruch der letzten Jahre.

Alle Automobilkonzerne haben in den letzten Jahrzehnten die Produktionskapazitäten erhöht – in der Hoffnung, ihren Marktanteil vergrößern zu können.

Weil das VW nicht gelungen ist, könnte der Konzern mit den Werken und Arbeiter:innen 500.000 Autos mehr produzieren, als sie aktuell verkaufen können. Diese Überkapazitäten wollen die Bosse mit den Werksschließungen abbauen.

Kapitulation stärkt die AFD

In manchen Regionen Niedersachsens gibt es nichts außer VW. Es droht eine Deindustrialisierung wie in der ehemaligen DDR nach der Wende. Hoffnungslosigkeit und Frustration sind der beste Nährboden für die Nazis von der AFD.

Wir sehen erste Anzeichen in Salzgitter, wo die AFD bei den Kommunalwahlen am 13. September mit 27,4 Prozent stärkste Fraktion wurde. Seit Jahren droht VW mit der Schließung des dortigen Werkes. Betroffen wäre auch ein Stahlwerk, das ausschließlich für VW produziert.

So muss es nicht kommen, Widerstand ist möglich. Die Kolleg:innen bei VW haben das 2024 mit großen Protesten bewiesen.

Die Bosse wollen die Profite noch bis 2032 abschöpfen, bevor sie sie schließen. Das stärkt die Position der Belegschaft.

Klassenkampf statt Co-Management

Massenmobilisierungen auf der Straße, die die ganze Region einbeziehen, Betriebsbesetzungen und Ausweitung zu Solidaritätsstreiks könnten Management, Eigner und die Politik zwingen, die Werke und Arbeitsplätze zu retten.

Leider versteht sich der Gesamtbetriebsrat als Co-Management und versucht, »den Standort« für die Profitinteressen des Kapitals fit zu machen. Noch 2024 hat die IG Metall einem Lohn- und Arbeitsplatzverlust bei VW zugestimmt im Gegenzug für Arbeitsplatzgarantien der verbliebenen Arbeitsplätze bis 2035.

In einigen Werken der deutschen Automobilindustrie, wie bei Mercedes in Untertürkheim, haben Kolleg:innen mit dem Aufbau einer Vernetzung der Aktiven begonnen. Das ist ein wichtiger erster Schritt für kämpferische Belegschaften.

Rüstung ist keine Lösung!

In Osnabrück möchte eine Kooperation aus dem Land Niedersachsen und dem israelischen Finanzinvestor Aurelius das VW-Werk 2027 übernehmen. Sie planen dort Rüstungsproduktion, unter anderem für das israelische Luftabwehrsystem »Iron Dome«.

Auch wenn sich natürlich viele der Beschäftigten freuen, dass sie ihre Arbeit behalten können, ist das der falsche Weg.

Israel betreibt einen Völkermord und terroriesiert die gesamte Region.

Letztlich ist jede Rüstung immer vollständig staatlich finanziert. Es wäre die Aufgabe der IG Metall, Druck auf die Regierung aufzubauen, dass das Werk und die Beschäftigten statt für Waffen für die Produktion von sinnvollen Dingen genutzt werden.


Tarifverträge gekündigt!

Dieser Artikel erschien vor der Aufkündigung der Tarifverträge durch den VW-Vorstand. Die Ereignisse zeigen mit Nachdruck, dass Kapitulation nur zu mehr Angriffen der Bosse führen.


Bild: Weltweit werden 10 Millionen mehr Autos produziert als verkauft werden können. Hier von VW in Portugal. (Foto: Diego Delso, CC BY-SA 4.0 )

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