Ein Bericht über die Arbeitsbedingungen in der Gastronomie- und Hotelbranche während der Hitzewelle im Juni 2026. Von Anne Schmied (Name geändert) aus Frankfurt am Main.
Die Hitzewelle im Juni hat uns Beschäftigte der Gastronomie- und Hotel-Branche hart getroffen. Ich arbeitete in einem Frankfurter Fünf-Sterne-Luxus-Hotel. Dort fiel über den gesamten Monat die Klimaanlage aus. Das Management interessierte primär die mangelnde Zufriedenheit der Gäste, die reihenweise Beschwerden erhoben, ihren Aufenthalt vorzeitig abbrachen oder ihn erst gar nicht antraten.
Die Hitze staute sich nicht nur in den Gästezimmern auf teilweise über 30°C, sondern auch in der Lobby, in den Büros der Mitarbeitenden, im Restaurant und vor allem in der Küche, der Kantine und unseren Umkleiden. In den Büros der leitenden und Führungspositionen funktionierten hingegen die Klimaanlagen. Auf unsere vermehrten Rückfragen nach Ventilatoren wurde zuerst nicht eingegangen. Erst auf wiederholten Druck der Kolleg:innen wurden Ventilatoren angeschafft.
Unser strenger Dresscode, der nicht nur lange Ärmel, sondern in manchen Fällen mehrere Schichten an Arbeitskleidung vorsieht, durfte aufgrund von »Wahrung des Marken-Standard« nicht gebrochen werden.
Rettungswageneinsatz und Notaufnahme
Erst nachdem ein Kollege an einem Arbeitstag mit über 40°C auf Grund der Hitze kollabierte, von Rettungskräften vor Ort behandelt und später ins Krankenhaus gebracht werden musste, stellte das Management einen Ventilator an die Rezeption. Erst nach diesem Vorfall lockerte das Management die Jacketpflicht und erlaubt »nur noch« einlagig, aber weiterhin langärmelig zu arbeiten.
Während es in der Lobby durch den Eingangsbereich noch ein Mindestmaß an Luftzirkulation gab und die Arbeit an der Rezeption körperlich wenig Anstrengung erforderte, erging es den Kolleg:innen aus Restaurant und Küche deutlich schlechter. Anhaltender Stress, viel Bewegung, Öfen und Herdplatten sind schon unter kühlen Bedingungen eine Belastung.
Der Zustand in der Küche war nahezu tropisch, da es dort keine Fenster gibt. Ähnlich verhielt es sich in den Umkleiden und der Kantine für die Mitarbeitenden. In Pausen tropfte uns teilweise der Schweiß von der Nase ins eigene Essen.
Die Hitze verschlimmerte die Luftqualität und den Gestank in unseren Mitarbeitenden-Bereichen extrem. Der Ventilator der Rezeption wechselte schlussendlich auf das Zimmer eines Gast, der keine funktionstüchtige Klimaanlage hatte.
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Titelbild: CC0 1.0 Universal, Icon