Spanien: Massenrevolte nach Zwangsräumung einer Rentnerin

Massenrevolte in Spanien erzwingen Rücknahme einer Zwangsräumung. Aber die Maßnahmen der Regierung zur Bewältigung der Wohnungskrise treffen nicht die Wurzel der Spekulation, sagt Jesús aus Sevilla. Von June Budd.

Nachdem die Polizei eine Rentnerin mit Behinderung aus ihrer Wohnung zwangsgeräumt hat, ist in Spanien eine Protestwelle über das Thema Wohnraum ausgebrochen. Am vergangenen Samstag gingen rund 30.000 Menschen in Madrid auf die Straße. Auch in Barcelona, Sevilla und anderen Städten demonstrierten riesige Menschenmengen.

Die Proteste dauern an und weitere sind in den nächsten Wochen geplant.

Auslöser der Proteste war die Zwangsräumung der 87-jährigen María del Carmen »Maricarmen«, Abascal, einer Frau mit Behinderung am vergangenen Mittwoch. Die Polizei trug sie auf einer Trage aus dem Gebäude.

Maricarmen Abascals Zwangsräumung schockierte die Öffentlichkeit.

Wütende Stimmung

Jesús, ein Angestellter im öffentlichen Dienst aus Sevilla, sagte: »Als wir sahen, wie Maricarmen zwangsgeräumt wurde, war es, als würden wir zusehen, wie unsere eigene Großmutter aus ihrem Haus geworfen wird.«

Bei einer Protestkundgebung am Montag sagte er gegenüber der britischen Zeitung Socialist Worker: »Die Stimmung ist von Wut geprägt. Es sind viele junge Menschen dabei, die normalerweise nicht zu Demonstrationen gehen.

Diese Mobilisierungen kommen von unten und von links.«

Die Proteste in Sevilla begannen an dem Tag, an dem Maricarmen zwangsgeräumt wurde.

Immobiliengesellschaft erhöhte Mieten seit 2018 um 230 Prozent

»Ich dachte, der Protest letzte Woche würde nur klein ausfallen«, sagte Jesús. »Ich habe mich sehr gefreut, als ich sah, dass die Treppen von Las Setas – einem großen Platz in Sevilla – voller Menschen waren.«

Maricarmen wurde aktuell zwangsgeräumt, nachdem ihr Wohnhaus im Jahr 2018 von der Immobiliengesellschaft Urbagestión – Desarrollo e Inversión gekauft worden war. Diese setzte seitdem Mieterhöhungen von insgesamt 230 Prozent durch.

Ihre Geschichte ist nur eine von vielen, da sich die Wohnungskrise in Spanien zunehmend verschärft. Die Mieten sind innerhalb eines Jahrzehnts um 80 Prozent gestiegen, die Immobilienpreise um 63 Prozent.

Fast 4 Millionen leerstehende Wohnungen

Gleichzeitig gibt es fast vier Millionen leerstehende Wohnungen in Spanien. Das sind rund 14 Prozent des gesamten Wohnungsbestands.

Dani, der in der katalanischen Mietervereinigung »Sindicat de Llogateres« zu Deutsch »Gewerkschaft der Mieter:innen« aktiv ist, nahm am vergangenen Freitag an einer Demonstration in Barcelona teil, an der über 2.000 Menschen teilnahmen. Die Demonstration war nur sechs Stunden zuvor angekündigt worden.

Er sagte gegenüber Socialist Worker: »Die Mieterverbände standen im Mittelpunkt der Proteste.

Hunderte von Menschen haben gefragt, wie sie sich engagieren können. Es ist eine Herausforderung, diese neuen Aktivisten zu organisieren, aber ich denke, wir sind gut aufgestellt.«

»Die Vermieter sind schuld, aber die Regierung ist verantwortlich!«

»Im Moment traut sich kaum jemand, sich gegen die Proteste auszusprechen. Selbst die rechtsgerichtete Presse versucht, nicht allzu viel darüber zu berichten.

Die Menschen sind sich weitgehend einig, dass der Immobilienmarkt reguliert werden muss«, sagte Dani.

»Einer unserer Sprechchöre auf den Demonstrationen lautete: »Rentistas culpables, gobierno responsable«: »Die Vermieter sind schuld, aber die Regierung ist verantwortlich«.

Ministerpräsident Pedro Sánchez von der sozialdemokratischen PSOE macht seine Vorgänger in der konservativen Volkspartei für die Situation verantwortlich.

Der Widerstand auf den Straßen hat Potenzial, weit mehr zu erreichen

Die Regierung hat Maßnahmen eingeführt, die darauf abzielen, den Besitz von Ferienwohnungen einzudämmen und die Mieten zu senken. Kritiker sagen jedoch, Sánchez sei nicht weit genug gegangen.

»Die PSOE will nur Maßnahmen verabschieden, die nicht an die Wurzeln der Spekulation gehen«, sagte Jesús gegenüber Socialist Worker.

Sánchez wollte am Dienstag ein Wohnungsdekret verabschieden. Es dürfte von seinen politischen Gegnern allerdings weiter abgeschwächt werden.

Doch der Widerstand auf den Straßen hat das Potenzial, weit mehr zu erreichen, als die Sozialdemokratie anbietet. 


Bild: Proteste breiteten sich aus, wie hier nach Sevilla. (Foto: Socialist Worker)

Dieser Artikel erschien am 29. September 2026 auf Socialist Worker. Übersetzung von Francis Byrne.

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