Eine Mitarbeiterin des Gesundheitswesens in Palästina berichtet von weit verbreitetem Hunger, Krankheiten und Infektionen in Gaza. Von Jude Mckechnie.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat erklärt, die Besetzung des Gazastreifens fortzusetzen. Er lehnte Donald Trumps »15-Punkte-Plan für den Gazastreifen« ab. Es werde keinen militärischen Rückzug geben, solange die Hamas nicht »wirklich« entwaffnet sei, sagte er.
Trumps »Friedensrat«, der eine koloniale Aufteilung des Gazastreifens vorantreibt, erklärte, man habe eine Einigung über die »vollständige Entwaffnung« der Hamas erzielt.
Die palästinensische nationale Befreiungsorganisation Hamas erklärte, sie werde ihre Waffen erst niederlegen, wenn Israel »alle Formen der Aggression« beende und seine Truppen aus dem Gazastreifen abziehe.
Zur selben Zeit setzt Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen fort, verstößt gegen den Waffenstillstand und ermordet Tag für Tag Palästinenser:innen.
Bei israelischen Luftangriffen in al-Qarara in der Nähe von Chan Jounis, in Gaza-Stadt und an anderen Orten sind seit Anfang dieses Monats mehr als zwei Dutzend Palästinenser:innen getötet worden.
»Jeden Tag mehr Luftangriffe«
Alaa, eine palästinensische Journalistin, ist eine von vielen, die in Gaza-Stadt um ihr Überleben kämpfen. Sie sagte der britischen Zeitung Socialist Worker:
»Jeden Tag gibt es mehr Luftangriffe. Die Menschen haben Angst, sich im Freien aufzuhalten, wegen der plötzlichen Angriffe. Meine Mutter fleht mich an, nicht auf die Straße zu gehen, es sei denn, es ist absolut notwendig, weil wir draußen Zielscheiben sind.«
Alaa erklärt, dass Israel weiterhin die Lieferung von Hilfsgütern nach Gaza blockiert.
»Absichtliches Aushungern«
»Es gibt viele Einschränkungen beim Essen. Das verfügbare Essen ist schlecht und fast ohne Nährwert. Das ist absichtliches Aushungern«, berichtet sie.
»Die Menschen leben in zerfallenden Zelten, die nicht ersetzt werden können, weil kein Geld da ist, um neue zu kaufen. Neue Zelte sind sehr teuer.
Die extreme Hitze verschärft die Lage zusätzlich. Mückenstiche verursachen Hautkrankheiten. Wir können nicht schlafen.«
»Die Menschen haben große Angst«
»Das Wasser wird zwar mit Lastwagen geliefert, ist aber dennoch verschmutzt. Man kann sich der gelben Linie nicht nähern, aus Angst, von einem Heckenschützen erschossen zu werden. Die Menschen haben große Angst.« Mit der gelben Linie hat Israel den Gazastreifen Ende 2025 in zwei Hälften geteilt. Die Zone östlich der Linie steht unter israelischer Militärkontrolle, in der westlichen Zone leben 2,1 Millionen Palästinenser:innen dicht gedrängt und schutzlos.
Ibtisam aus Deir al-Balah arbeitet in einem Feldlazarett und sieht jeden Tag die Folgen der von Israel systematisch erzeugten Entbehrungen und Zerstörungen.
»Die Bevölkerung wird ausgehungert. Es gibt kein Einkommen, keine Sicherheit, keine Polizei. Die Menschen haben große Angst vor Diebstahl und fühlen sich bedroht«, berichtet sie Socialist Worker.
»Kinder im Schlaf vor Rattenbissen schützen«
»Es gibt Unmengen von Ratten, die an Lebensmitteln und Zeltplanen nagen, aber auch Erwachsene und Kinder angreifen. Erwachsene müssen wach bleiben, um ihre Kinder im Schlaf vor Rattenbissen zu schützen. Die Menschen leiden zudem unter Magen- und Atemwegsbeschwerden. Krätze ist weit verbreitet.«
Ibtisam hat Verwandte in Bureidsch, einem palästinensischen Flüchtlingslager mitten im Gazastreifen. Sie sind verängstigt und haben keinen Zufluchtsort, weil sie so nahe an der östlichen »gelben Linie« leben.
»Palästinenser:innen wurden schon allein deshalb ermordet, weil sie sich dieser beweglichen Grenze nur genähert haben«, sagte sie.
»Der Gazastreifen ist ein Gefängnis. Die Grenzen sind dicht. Sie kontrollieren uns aus der Ferne. Wir sehnen uns nach Solidarität. Der Mensch in mir braucht Solidarität und Mitgefühl. Wir senden unsere Rufe nach draußen.«
Kommentar:
Die Lösung besteht nicht darin, von den Palästinenser:innen zu verlangen, dass sie ihre Waffen niederlegen, während Israel seine Angriffe fortsetzt. Die Lösung besteht darin, die Waffenlieferungen nach Israel einzustellen, die Belagerung zu beenden und den Palästinenser:innen im Kampf gegen Besetzung und Völkermord zur Seite zu stehen.
Der Artikel erschien auf Socialist Worker.Übersetzung von Francis Byrne und Rosemarie Nünning.
Bild: Das Al-Mawasi Flüchtlingslager, in dem Vertriebene Palästinenser:innen in Zelten leben, Gazastreifen (Foto: UNRWA, CC BY-SA 4.0).