Erfurt: 50.000 Protestieren gegen die AFD

50.000 demonstrierten in Erfurt am 4. Juli gegen den Parteitag der AFD. Obwohl Thüringen die Hochburg von Nazi-Höcke ist, war von Anhängern der AFD nichts zu sehen. Im Gegenteil, die Gegenproteste bekamen allerorts viel Sympathie aus der Bevölkerung zu spüren. 

Als sich die erste große Zubringerdemo des Tages mit mehreren Tausend Antifaschist:innen vom Hauptbahnhof in Bewegung setzt, ist es gerade kurz nach 6 Uhr morgens. Hier hat sich nicht nur die breite Erfurter Stadtgesellschaft versammelt sondern auch Gewerkschaften, Omas und Studis gegen Rechts, Grundgesetz-Ultras und fahrende Zimmerleute. Die Stimmung ist kämpferisch und zuversichtlich.

»Wir sind aus Potsdam angereist, um zu zeigen, dass es viele Menschen gibt, die gegen die AFD sind. Und dass es sich lohnt, aus der eigenen Bubble herauszukommen«, sagt eine Studentin aus Potsdam.

Breiter Protest

Parallel begeben sich zu diesem Zeitpunkt Tausende Aktivist:innen zu Blockadepunkten rund um die Erfurter Messe und machen die Zufahrtswege und Autobahnen dicht. In über 200 Reisebussen sind sie über Nacht aus allen Ecken Deutschlands und auch aus Österreich und der Schweiz angereist.

Tausende rufen »Siamo tutti antifascisti!« und »Es gibt kein Recht auf Nazi-Propaganda!«. Die Erkenntnis, dass die AFD nicht einfach nur eine besonders rechte bürgerliche Partei ist, sondern in der Tradition der NSDAP steht, ist in der Bewegung weit verbreitet.

Und die Aufklärungsarbeit des Bündnisses in den letzten Monaten hat dazu beigetragen, dass es sich auch in Erfurt rumgesprochen hat. Aktivist:innen des Bündnisses hatten alleine im letzten Monat an über 20.000 Türen geklingelt und mit den Anwohnern gesprochen.

Dementsprechend war die Beteiligung der Einheimischen an den Protesten größer als bei den Protesten in Riesa 2025, Essen 2024 und Gießen Anfang 2026. Und viele Anwohner, die sich noch nicht an den Protesten angeschlossen hatten, zeigten sich solidarisch.

AFD in der Defensive

»Protest gegen die AFD “überwiegend friedlich”«, titelte die Tagesschau. Aber richtig wäre gewesen: »Diesmal blieb die Polizei weitgehend friedlich.« Anders als bei vielen vorherigen Protesten hat die Polizei nicht versucht, die Demonstrationen und Blockaden zu verhindern.

Die Breite der Bewegung und ihre Verankerung vor Ort haben sicherlich dazu beigetragen. Der politische Preis einer Eskalation war der Polizei zu hoch. 

Stattdessen hat die Polizei in Erwartung massiver Proteste die AFD-Delegierten bereits Stunden vorher, mitten in der Nacht, im Bus-Konvois auf das Messegelände eskortiert.

Tino Chrupalla sah sich gezwungen, in seiner Eröffnungsrede der Staatsmacht seinen besonderen Dank auszusprechen – es ist ein Erfolg der Bewegung, wenn die selbsternannten »Herrenmenschen« auf die Hilfe des von ihnen verachteten »BRD-Staates« angewiesen sind.

Die Proteste waren nicht nur breiter und besser in der Bevölkerung verankert als in der Vergangenheit. Sie waren auch politischer. Slogans thematisierten nicht nur die Nazis, sondern auch den Genozid an den Palästinenser:innen, die massive Aufrüstung der Bundeswehr, Rassismus der Regierung und den zunehmenden Sozialabbau.


Bild: 50.000 demonstrierten am 4. Juli 2026 in Erfurt gegen den AfD-Parteitag. Auch Slogans gegen Abschiebungen und Palästina-Solidarität prägten den breiten Protest (Foto: Svu)

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