Die Anschläge auf das World Trade Center und das Pentagon vor 25 Jahren kosteten 2.996 Menschen das Leben. Sie waren das Ergebnis der US-Politik über Jahrzehnte hinweg, die Hunderttausende in aller Welt das Leben kostete. Und sie waren eine Zäsur, die bis heute nachwirkt. Von Carl Schreiber.
Der Strippenzieher der Anschläge, Osama bin Laden, war ein Verbündeter der USA im Kampf gegen die sowjetische Besatzung Afghanistans gewesen.
Die Rekruten seiner Organisation al-Qaida beriefen sich auf religiöse Überzeugungen. Aber letztlich waren sie motiviert durch die Katastrophen, die der US-Imperialismus über die Menschen im sogenannten »Nahen und Mittleren Osten« brachte.
US-Terror im Irak
Bin Ladens Wende vom Verbündeten zum Feind der US-Politik ist eng verbunden mit dem US-Krieg gegen den Irak ab 1991. Alleine das von der Clinton-Regierung verhängte Embargo hatte nach Angaben des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen rund 500.000 Kinder im Irak getötet.
Bereits Ende der 1990er Jahre hatten die »Neocons« in der herrschenden Klasse der USA China als die neue Herausforderung für die globale US-Dominanz erkannt. Sie entwickelten einen Plan, die Energiereserven Westasiens unter ihre Kontrolle zu bringen. Dieser Plan beinhaltete »Regime Changes« in einer Reihe von Ländern.
Der Anschlag war ein willkommener Anlass für die Bush-Administration, diesen Plan im Zuge ihres »Krieges gegen den Terror« umzusetzen und als erstes Afghanistan anzugreifen. Die damalige rot-grüne Bundesregierung unterstützte diesen Krieg. Verteidigungsminister Struck behauptete: »Die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland wird heute auch am Hindukusch verteidigt.«
»Krieg gegen den Terror«
1,7 Millionen Menschen starben in den drei am stärksten betroffenen Ländern Afghanistan, Irak und Pakistan durch den »Krieg gegen den Terror«.
Aufgrund des anhaltenden Widerstandes gegen die Besatzung in Afghanistan und Irak und der weltweiten Antikriegsbewegung scheiterte dieser Versuch der US-Politik, mit Waffengewalt den relativen Niedergang der globalen US-Vorherrschaft zu stoppen. Die Kriege in Irak und Afghanistan endeten mit einer Niederlage der USA und ihrer Verbündeten.
Seit den Anschlägen haben die Herrschenden nicht nur mehr Kriege geführt und mehr Rassismus verbreitet. Sie haben auch im Rahmen von »Anti-Terror-Gesetzen« Bürgerrechte abgebaut und den Überwachungsstaat ausgebaut.
Rassismus gegen Muslime
Nach »9/11« gelang es den Herrschenden in den USA und Westeuropa, anti-muslimischen Rassismus hoffähig zu machen. Samuel P. Huntington beschwor einen Kulturkampf zwischen dem Westen auf der einen und dem Islam und China auf der anderen Seite. Der Berliner SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin hetzte in der Bild-Zeitung gegen »Kopftuchmädchen«. Der Spiegel produzierte eine Titelseite nach der anderen über »den Islam« und »die Mullahs«. Mit ihrer Hetze haben die Medien den Boden erst für die rassistische Pegida-Bewegung bereitet und dann für den Aufstieg der AFD.
Bild: Zwei entführte Flugzeuge beschädigten die »Twin Towers« am 1. September 2001 so stark, dass sie einstürzten. (Foto: CC0 1.0, public domain)