Mexikanische Lehrer:innen zeigen, wie Klassenkampf geht

Sergio, ein streikender Lehrer aus Mexiko-Stadt, sprach mit der britischen Zeitung Socialist Worker über den Kampf der Lehrer:innen in Mexiko gegen den Neoliberalismus. Von Frankie Murden.

Zehntausende Lehrer:innen in Mexiko haben letzte Woche in mindestens zehn der 31 Bundesstaaten des Landes einen unbefristeten Streik begonnen. Die Streikenden haben sich der Polizeigewalt widersetzt, Straßen blockiert, den Sitz des Bildungsministeriums in Mexiko-Stadt besetzt und auf dem zentralen Platz der Hauptstadt ein Zeltlager errichtet.

Sie haben Statuen von Fußballern niedergerissen, die für die Weltmeisterschaft errichtet worden waren. Die soeben beginnende Weltmeisterschaft hat den mexikanischen Staat viel Geld gekostet, während die Arbeiterklasse unter Sparmaßnahmen leidet.

Pedro Hernandez Morales, Vorsitzender der Lehrer:innengewerkschaft CNTE, sagte: »Wenn es keine Lösung gibt, wird der Ball nicht rollen.«

Mexikanische Lehrer:innen fordern 100 Prozent mehr Lohn

Die Streikenden fordern eine 100-prozentige Erhöhung des Grundgehalts und mehr Mittel für die Schulen. Außerdem verlangen sie die Rücknahme der Bildungsreformen von 2012, durch die Auswahlprüfungen und leistungsbezogene Kriterien für das Personal eingeführt wurden.

Sergio, ein streikender Lehrer in Mexiko-Stadt, erklärte gegenüber Socialist Worker:

»Wir haben beschlossen, für mehrere Forderungen in den Streik zu treten, aber eine davon ist besonders wichtig.

Natürlich fordern wir eine Gehaltserhöhung, bessere Bedingungen im Gesundheitswesen, eine Aufstockung des Bildungsbudgets und die Abschaffung der Beförderungs- und Zulassungsmechanismen innerhalb des Systems.

Vor allem aber lautet die zentrale Forderung die Aufhebung des LISTE-Gesetzes von 2007, einer Reform, die das Renten- und Pensionssystem für Staatsbedienstete grundlegend verändert hat.«

Keine Spekulation mit dem Rentenfonds!

Dadurch »konnten die Ersparnisse der Arbeitnehmer verbrieft werden«, was bedeutet, dass sie in private Rentenfonds bei großen Finanzinstituten umgewandelt wurden.

Er sagte, die Arbeitnehmer forderten »ein solidarisches, staatlich verwaltetes Rentensystem«.

Die landesweiten Streiks folgen auf eine Woche intensiver Protestaktionen von rund 80.000 Lehrern im Bundesstaat Oaxaca.

12.000 Schulen werden bestreikt

In der vergangenen Woche hielten sie 12.000 Schulen geschlossen, blockierten Autobahnen und errichteten Protestcamps in dem südmexikanischen Bundesstaat. Diese Protestcamps nehmen mittlerweile ganze Straßenzüge in zahlreichen Städten im ganzen Land ein.

Die Lehrer wehren sich gegen die sozialdemokratische Präsidentin Claudia Sheinbaum. Ihre Regierung hat mindestens 3 Milliarden Dollar für die Infrastruktur der Fußball-WM ausgegeben, während sie gleichzeitig die Bildungsbudgets gekürzt hat.

Milliardensummen für das WM-Spektakel – Almosen für die Arbeiter:innen

Vergangenen Monat versuchte sie, die Wut der Beschäftigten mit einer Lohnerhöhung von 9 Prozent zu besänftigen – doch die CNTE tat dies zu Recht als »Almosen« ab.

Sheinbaum hatte die Rücknahme der Rentenreform – die alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst betrifft – zu einem zentralen Thema ihres Präsidentschaftswahlkampfs 2024 gemacht. Doch nun geht sie repressiv vor und behauptet, »es gebe kein Geld«.

Die Lehrkräfte haben Schüler:innen, Eltern sowie Beschäftigte im öffentlichen und privaten Sektor dazu aufgerufen, sich den Mobilisierungen anzuschließen. Eine Ausweitung und Intensivierung der Aktionen kann Sheinbaum dazu zwingen, nachzugeben.


Der Artikel erschien am 9. Juni 2026 auf Socialist Worker.

Bild: Streikende Lehrer:innen in Mexiko (Quelle: La Izquierda Diario Mexico)

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