»Wir brauchen mehr Protest«: Generalstreik in Portugal

Der Lehrer Francisco und der Fabrikarbeiter Joao sprachen mit Socialist Worker über ihren Generalstreik gegen die rechte Regierung in Portugal. Von Pat Meusel.

Hunderttausende Arbeiter:innen in Portugal traten diese Woche in einen Generalstreik gegen die rechte Regierung und ihre »Reform« der Arbeitsgesetzgebung.

Der portugiesische Gewerkschaftsbund CGTP rief als größte Gewerkschaft am Mittwoch zu Aktionen auf. Ministerpräsident Luís Montenegro von der konservativen Sozialdemokratischen Partei (PSD) will den Bossen mehr Macht geben. Mit den »Reformen« würde es einfacher für sie, Arbeiter:innen zu entlassen, die Arbeitszeit auf bis zu 50 Stunden die Woche zu erhöhen und die Vergütung für Überstunden abzuschaffen, selbst am Wochenende.

Angriff auf die arbeitende Klasse

Das ist nur ein kleiner Teil der insgesamt 100 »Reformvorschläge«, von denen Montenegro behauptet, dass sie zur Steigerung der Effektivität notwendig seien.

Francisco, ein Schullehrer in der Hauptstadt Lissabon, sagte Socialist Worker: »Ich will diese neuen Arbeitsgesetze nicht, und die Mehrheit der Bevölkerung will sie auch nicht. Deshalb bin ich heute auf der Straße, und das ist die Antwort, die gebraucht wird. Diese Gesetze sind ein Angriff auf die gesamte arbeitende Klasse, und die Streiks zeigen, wie unbeliebt sie sind.«

Die Arbeitsministerin Maria Ramalho hat behauptet, dass an den Streiks nur Beschäftigte des öffentlichen Dienstes teilgenommen hätten, nicht aus dem Privatsektor.

Generalstreik in Portugal

João, ein gewerkschaftlicher Vertrauensmann bei VW in Setubal, sagte Socialist Worker, das sei gelogen. »Von den Arbeiterinnen und Arbeitern, die heute im Streik waren, stammen schätzungsweise 50 Prozent aus dem Privatsektor. In meiner Fabrik stimmten die Arbeiter:innen auf zwei großen Versammlungen einstimmig für die Unterstützung des Generalstreiks.«

An dem Streik nahmen Beschäftigte aus allen Berufszweigen teil, unter anderem Ärzte, Pflegepersonal, Lehrerinnen und Transportarbeiter.

Ana und Andy, die sich beide als Sozialisten verstehen und aus Setubal kommen, betonen, wie breit die Unterstützung für den Streik war: »Die Stimmung auf der Straße war sehr offen«, erzählten sie Socialist Worker. »In der Presse hieß es, dass etwa 80 Prozent der portugiesischen Bevölkerung hinter dem Streik stehen. Das heißt nicht, dass 80 Prozent auf der Straße waren. Aber viele von ihnen – und viele werden einfach zu Hause geblieben sein. Das lässt jedenfalls auf eine bestimmte Stimmung schließen.«

Kettenreaktion

Ana wies auch darauf hin, wie entscheidend die Transportarbeiter für den Streik waren. »Als die Transportarbeiter rauskamen, gab es eine Kettenreaktion«, sagte sie. »Andere konnten nicht zur Arbeit gehen. Supermärkte wurden geschlossen und die Hauptstadt Lissabon kam faktisch zum Stillstand.«

Andy ergänzte: »Insgesamt gab es in 28 Städten Demonstrationen oder Streikposten.«

Die Aktionen vom Mittwoch folgten auf den Generalstreik vom 11. Dezember 2025, der größten Aktion seit den Protesten gegen die Sparpolitik im Jahr 2013.

Francisco wie auch João sind sich bewusst, dass der Kampf gegen die Reformen weitergehen muss. »Ich denke, wir haben zu lange seit dem letzten Generalstreik gewartet«, sagt João. »Wie hätten den Widerstand gegen die Regierung in der Zwischenzeit weiter aufbauen müssen, um die Dynamik beizubehalten. Was wir brauchen, sind mehr Proteste, wir müssen noch öfter auf die Straße gehen«, fügte Francisco hinzu.

Einfache Gewerkschaftsmitglieder werden Druck auf ihre Führung ausüben müssen, um die Proteste zuzuspitzen.


Dieser Artikel erschien am 4. Juni 2026 bei Socialist Worker. Übersetzung von Rosemarie Nünning.

Foto: Portugals Premierminister Luis Montenegro (Agência Lusa, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons)

zum Beginn