Der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems plant in Sangerhausen in Sachsen-Anhalt eine Waffenfabrik aufzubauen. Die Mehrheit des Stadtrates hatte sich in einer nicht-öffentlichen Sitzung dafür ausgesprochen und dem Unternehmen eine rund 130 Hektar große Fläche an der A 38 angeboten.
Seit Bekanntwerden der Pläne arbeitet die Kampagne »Keep Elbit Out« im engen Kontakt mit Aktivist:innen und Bewohner:innen Sangerhausens am Aufbau einer Gegenkampagne.
An zwei Aktionstagen führten Aktivist:innen Gespräche mit den Sangerhäuser:innen und informierten über Elbit Systems und die geplante Ansiedlung. Die Resonanz ist mehrheitlich positiv: die Menschen wollen keine Waffenproduktion direkt vor ihrer Haustür!
Ein Sangerhäuser äußerte, er fühle sich von der Politik übergangen und forderte, dass die Bevölkerung entscheiden müsse. Gerade dass die Verhandlungen im Geheimen stattfinden, stößt auf Ablehnung.
Außerdem befürchten die Menschen, dass Sangerhausen als möglicher Rüstungsstandort im Kriegsfall zu einem militärischen Ziel werden würde.
Zudem stellen viele Anwohner:innen infrage, ob die Stadt von der Produktion von Waffen profitieren würde, so wie es von Befürwortern behauptet wird.
Arbeitsplätze als leeres Versprechen?
Auf den ersten Blick scheinen mögliche Arbeitsplätze ein Argument für die Ansiedlung zu sein, denn mit einer Arbeitslosenquote von über neun Prozent liegt Sangerhausen deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt.
Es bleibt aber offen, wie viele der neuen Stellen wirklich von Menschen aus Sangerhausen besetzt werden würden. Die Aktivist:innen der Kampagne gehen davon aus, dass eher hochqualifizierte Arbeiter:innen aus der weiteren Umgebung angeworben oder von regionalen Unternehmen abgeworben werden.
Im Gespräch fordert ein Sangerhäuser »Frieden – und nicht, dass in Sangerhausen Waffen hergestellt werden, mit denen andere Menschen getötet werden.«
Elbit Systems
Der Protest richtet sich nicht nur allgemein gegen Waffenproduktion, sondern auch speziell gegen Elbit Systems. Es ist der größte israelische Rüstungskonzern und erzielte 2025 einen Umsatz von ca. 6,8 Milliarden US-Dollar.
Der Konzern profitiert von Kriegen weltweit, insbesondere im Libanon und ermöglicht den anhaltenden Völkermord an den Palästinenser:innen in Gaza.
Denn auch nach vereinbartem Waffenstillstand setzt Israel seine Luftangriffe auf den Gazastreifen fort und ermordet Tag für Tag Palästinenser:innen. Erst vor Kurzem forderte der rechtsextreme israelische Minister Ben-Gvir »gezielte Tötungen von 30 bis 40 Menschen pro Nacht«.
Als zweitgrößter Waffenlieferant Israels ist und bleibt Deutschland wichtiger strategischer Partner. Die geplante Ausweitung von Elbit Systems in Sangerhausen reiht sich ein in die Historie der deutschen Unterstützung israelischer Kriegsverbrechen, der Besatzung Palästinas und des Genozids.
»Keep Elbit out« Sangerhausen
Mehr als 50 Organisationen haben bereits den Aufruf »Keep Elbit Out – Keine Waffenfabrik in Sangerhausen« unterzeichnet. Ein bundesweites Bündnis unterstützt den lokalen Protest und will verhindern, dass Elbit Systems in Sangerhausen angesiedelt wird.
Die ersten Aktionstage haben Aktivist:innen der Palästina- und Antikriegsbewegung und die Bewohner:innen der Stadt zusammengebracht. Als nächstes versuchen sie, die Kontakte auszubauen und die Selbstaktivität der Menschen in Sangerhausen zu stärken, um den Widerstand zu mobilisieren.
Sangerhäuser:innen haben ein Bürgerbegehren eingereicht. Wenn sie das notwendige Quorum von 2.000 Unterschriften erreichen, könnte es zu einem Bürgerentscheid kommen. Die Bevölkerung hätte damit die Möglichkeit, selbst darüber zu bestimmen, ob in ihrer Stadt eine Waffenfabrik angesiedelt werden soll.
Auch unabhängig vom Bürgerbegehren gibt es Möglichkeiten, sich gegen die geplante Ansiedlung zu engagieren. Gegen die Bebauungspläne kann bei der Stadt Widerspruch eingelegt werden.
Am 29. August wird bundesweit zu einer Kundgebung mit anschließender Demonstration in Sangerhausen mobilisiert. Gemeinsam mit dem Protest von Anwohner:innen soll ein Zeichen gegen die Ansiedlung von Elbit Systems, gegen Aufrüstung und gegen die deutsche Unterstützung des Genozids gesetzt werden.
Titelbild: SVU Leipzip