In der Woche vor dem 78. Jahrestag der Nakba – der ethnischen Säuberung Palästinas 1948 – fand das Nakba-Camp »Bridges of Resistance« auf der Moorweide in Hamburg statt. Der offene Vernetzungsort und die abschließende Demonstration griffen aus der Isolation der Palästinasolidarität aus, berichtet Jerome von der SVU-Ortsgruppe Hamburg.
Die Solidaritätsbewegung mit Palästina flacht ab und steht vielerorts unter dem Druck staatlicher Repressionen. In dieser Lage setzte das Camp »Bridges of Resistance« in Hamburg ein Zeichen der Hoffnung. Organisiert hatte das Camp vom 9. bis zum 16. Mai die Kampagne »Stop Nakba Now«. Daran sind die lokale palästinasolidarische Gruppe Thawra, die Bundesarbeitsgruppe Palästinasolidarität der Partei Die Linke, Sozialismus von unten und viele weitere Gruppen und Einzelpersonen beteiligt.
Woche der Solidarität und Vernetzung
78 Jahre nach Beginn der flächendeckenden ethnischen Säuberung Palästinas im Zuge der Staatsgründung Israels wurde dort nicht nur erinnert. Die Beteiligten haben auch praktisch gezeigt und diskutiert, wie eine auf Verbreiterung ausgerichtete Bewegungsarbeit gegen die fortlaufende Vertreibung der Palästinenser:innen und gegen Israels Terror in der gesamten Region aussehen kann. Der Hamburger Hafen gilt als zentraler Umschlagplatz für deutsche Waffenlieferungen an Israel.
Es gab Küchenzelte, eine Kunstausstellung, Musikbeiträge und Workshops. Bei täglichen Diskussionsveranstaltungen entwickelte sich ein lebhafter politischer Austausch über Palästinasolidarität in Deutschland und ihre Verknüpfung mit anderen Themen und Kämpfen. Über die Tage entstand auf der Moorweide ein Vernetzungsraum, der Aktivist:innen aus verschiedenen Städten zusammenbrachte und stärkte. Eine Teilnehmende beschrieb: »Ich habe das Gefühl, aus der Defensive herauszukommen.« Auch Unentschiedene wurden angezogen. Manche hatten in der Zeitung vom Camp erfahren und wollten sich ein eigenes Bild machen.
Verbotsversuch abgewendet
Ein Grund für die höhere Bekanntheit des Camps war der gescheiterte Versuch staatlicher Repression. Das Camp sollte von der Versammlungsbehörde verboten werden. Doch die Organisator:innen klagten ihre Versammlungs- und Meinungsfreiheit über mehrere gerichtliche Instanzen ein. Auch Diffamierungsversuche des Springer-Verlags und ein hohes Polizeiaufgebot auf der Moorweide hinderten interessierte Hamburger:innen nicht daran, das Camp aufzusuchen. Insgesamt besuchten im Lauf der Woche über tausend Menschen den Austauschort.
Die pro-israelische Gegenmobilisierung scheiterte durch geringen Rückhalt mit wenigen Teilnehmenden bereits in der ersten versuchten Nacht am Aufbau eines Gegencamps. Unter Deutschland-, iranischen Monarchie- und Israelflaggen legte ein Sprecher unter Applaus den rechten Charakter der Versammlung offen: »Ich glaube nicht, dass noch mehr Deutsche noch antisemitischer geworden sind. Nein. Ich glaube, dass mehr Antisemiten heute Deutsche [Staatsbürger] werden.«
Nakba-Camp als Brücken des Widerstands
Was die rechte Gegenkampagne nicht schaffte, gelang dem pro-palästinensischen »Bridges of Resistance«-Camp gemäß eigenem Anspruch im Titel: Brücken bauen nach außen, zu anderen Bewegungen und Kämpfen, zu Unorganisierten und Unentschlossenen. Beispielsweise schaute ein älteres Paar auf dem Weg zum Museumsbesuch vorbei, sprach mit den Camp-Teilnehmenden und kaufte Bücher zur Geschichte Palästinas. Das war über die Woche ein immer wiederkehrendes Bild.
Den Abschluss bildete eine Demonstration mit an die 2000 Teilnehmenden. Eine Zwischenkundgebung am Rathausplatz brachte die Botschaften mitten in die Hamburger Innenstadt. Passant:innen, Beschäftigte und Gäste in umliegenden Cafés horchten auf, als sie diejenigen, die unter Trumps und Netanjahus Kriegszügen leiden, direkt anhören konnten. Insbesondere Parolen wie »Milliarden für die Pflege statt für den Krieg!« führten zu gehobenen Daumen und Applaus von Zuschauer:innen. In einer Zeit massiver Aufrüstung und sozialer Kürzungen traf Kritik an deutscher Unterstützung für Israels Genozid, Besatzung und Kriege einen Nerv in der Mehrheitsbevölkerung.
Das Camp zeigte damit etwas Grundsätzliches: Solidarität mit Palästina ist dort stark, wo sie nicht isoliert wird, sondern ausgreift und sich mit anderen Kämpfen verbindet – gegen Krieg, Verarmung, Rassismus und Faschismus. Ein im Camp entstandenes SVU-Video vermittelt einen Eindruck der Atmosphäre und der verschiedenen Angebote und Verknüpfungen.