Die Schulstreiks am 8. Mai zeigen die Wut unter Schüler:innen über die Wehrpflicht und die Regierung Merz. Um eine drohende Ausweitung der Wehrpflicht zu verhindern, muss die Bewegung ausgeweitet werden – an den Schulen und in die Gesellschaft hinein.
Bundesweit beteiligten sich laut Veranstalter:innen 45.000 Personen an den Schulstreikdemos in insgesamt 150 Orten. Die Proteste waren wütend und politisch.
Viele Schüler:innen trugen selbstgemalte Schilder, darunter zahlreiche Varianten des Spruches »Merz leck Eier«. Für diesen Spruch nahm die Polizei beim letzten Schulstreik im März einen 18 jährigen Schüler kurzfristig fest. Sie eröffnete ein Ermittlungsverfahren. Auf weiteren Schildern stand: »Wir sterben nicht für Euren Profit«, »Ich möchte kein Teil der Kriegsmaschinerie sein«, »Bildung statt Bomben«, »Nicht unser Krieg« u.v.m.
Themen Wehrpflicht und Kürzungen
Der Tagesspiegel schrieb darüber, dass sich »neben der Sorge vor einer Wehrpflicht« ein zweites Thema wie ein roter Faden durch Gespräche und Redebeiträge zog: Soziale Kürzungen. »Ein Redner bringt es auf den Punkt« steht im Bericht: Wenn Krieg ausbreche, »werden nicht die Kinder der Rheinmetall-Chefs sterben«.
Die Bildungsgewerkschaft GEW hat sich mit den Schüler:innen solidarisiert. Der Vorsitzende der Berliner GEW, Gökhan Akgün, sagte auf der Schulstreikkundgebung in Berlin: »Unsere Aufgabe ist es nicht, Kinder auf den Krieg vorzubereiten.« Junge Leute bräuchten »die Hoffnung auf ein gutes Leben, nicht Angst und Krieg«. Die GEW hatte bereits auf ihrem Gewerkschaftstag 2025 jegliche Wiedereinsetzung der Wehrpflicht und Wehrerfassung abgelehnt. Wie stark sie – oder die bei der GEW organisierten Kolleg:innen – den Streik jeweils unterstützen, ist von Ort zu Ort unterschiedlich.
Die Mobilisierung zeigt: Die Schulstreikbewegung ist da. Die Angst vor einer umfassenden Wehrpflicht bleibt ein Thema, das viele Jugendliche umtreibt und linken Jugendorganisationen Zulauf beschert.
Noch keine starke Ausweitung
Dennoch ist es erklärungsbedürftig, warum die Teilnehmer:innenzahlen trotzdem leicht rückläufig sind. Bisher ist es zu keiner starken Ausweitung der Bewegung gekommen. Beim ersten Schulstreik im Dezember 2025 nahmen noch 55.000, beim zweiten Protest im März 2026 nahmen bundesweit 50.000 teil.
Ein Grund ist sicher, dass alle Abiturient:innen gerade in der Prüfungsphase sind. Es wurde auch aus verschiedenen Schulen berichtet, dass ausgerechnet an dem Tag Klausuren geschrieben wurden. Das mag zumindest im Einzelfall eine Maßnahme der Schulleitungen gewesen sein, um Schüler:innen vom Streiken abzuhalten.
Ein anderer Grund ist, dass die politische Diskussion um die Wehrpflicht weniger zugespitzt ist. Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz, mit dem jetzt der »Neue Wehrdienst« eingeführt wurde, ist beschlossen. Momentan gibt es also nichts, was man unmittelbar verhindern kann.
Die verpflichtenden Musterungen beginnen erst am 1. Januar 2027. Die Bundesregierung und die Bundeswehr betonen jetzt die Freiwilligkeit des Wehrdienstes. Daher hoffen viele junge Menschen, die die Wehrpflicht ablehnen, dass sie sich mit einem einfachen »Nein!« langfristig dem Dienst an der Waffe entziehen könnten.
Mehr Unterstützung gegen Wehrpflicht gewinnen
Der Redner des Berliner Bündnisses »Nein zur Wehrpflicht« betonte während der Schulstreik-Demonstration in Berlin, dass es wichtig sei, die Bewegung auszuweiten. »Wir wollen aber auch alle anderen, die erstmal denken, dass man die Wehrpflicht braucht oder, dass sie nicht von der Wehrpflicht betroffen sind, für unseren gemeinsamen Kampf gewinnen«. Damit meinte er all diejenigen, die nicht wollen, dass ihre Kinder, Enkel, Geschwister und Freund:innen auf den Schlachtfeldern der zukünftigen Kriege verheizt werden.
Er betonte außerdem, dass es bei der Kriegstüchtigkeit Deutschlands nicht um sie und ihre Sicherheit geht. Er ergänzte: »Niemand hat etwas davon, wenn Abermilliarden Euros in die Rüstung gepumpt werden, während in den Schulen der Putz von den Wänden bröckelt und Sozialleistungen gekürzt werden.«
Wehrpflicht wird nicht freiwillig bleiben
Mit dem »freiwilligen Wehrdienst« will die Bundeswehr den Pool derer, mit denen sie die Rekrutierungslücken schließen will, vergrößern. Für den Fall, dass man die anvisierten Zielsetzungen nicht erreicht, entscheidet der Bundestag dann über eine Ausweitung der Wehrpflicht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Fall eintritt, ist hoch. Im Soldatengesetz sind Zielzahlen von 260.000 aktiven Soldat:innen und 200.000 Reservist:innen festgeschrieben. Diese Zahlen hat Verteidigungsminister Pistorius in der Militärstrategie für die Bundeswehr zur Grundlage genommen.
André Wüstner, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes sagte bereits im Oktober: »Wenn wir in den Verteidigungsfall geraten, reden wir nicht über Lotterie, dann wird hier jeder eingezogen, der verfügbar ist.«
Der Widerstand wird weitergehen. Jetzt kommt es darauf an, sich darauf vorzubereiten, für die zukünftigen Schulstreiks im Betrieb, in den Schulen, Hochschulen und auf der Straße Solidarität zu organisieren.