Der Landesparteitag der AFD in Nordrhein-Westfalen im Juli 2026 endete in einem Eklat, nachdem der Bundesvorstand im Flügelkampf den Nazi-Flügel unterstützt hatte.
Beim NRW-Landesparteitag zur Aufstellung der Wahlkampfliste für April 2027 kam es zur offenen Auseinandersetzung zwischen dem Nazi-Flügel um die Landtagsabgeordneten Sven Tritschler und Matthias Helferich und der »national-konservativen« Gruppe um den Landesvorsitzenden Martin Vincentz.
Tritschler ist seit dem Bundesparteitag in Erfurt ein Mitglied des AFD-Bundesvorstandes. Helferich bezeichnet sich selbst als »das freundliche Gesicht des NS«. Er entging einem Parteiausschlussverfahren, da der inoffizielle »Führer« des Nazi-Flügels, Björn Höcke, und die Parteivorsitzende Alice Weidel schützend ihre Hände über ihn hielten.
Machtkampf eskaliert auf Landesparteitag
Tritschler organisierte für die Listenaufstellung der NRW-Landespartei eine geheime Chatgruppe, um die Wahl für eine mehrheitlich von Faschist:innen besetzte Liste zu orchestrieren. So wurden unter anderem 100 Kandidat:innen für jeden Listenplatz vorgeschlagen – was den Parteitag formell gesprengt hätte.
Die Fronten vor Ort verhärteten sich. Etwa ein Drittel der Delegierten verließen den Saal. Der Bundesvorstand forderte den Abbruch des Parteitags. Weidel machte die »National-Konservativen« für den »Parteitag der Schande« verantwortlich. Am Ende konnte das Lager um Vincentz den Parteitag dennoch zu Ende führen und »seine« Liste durchsetzen.
Im Anschluss hat der Bundesvorstand eine Untersuchungskommission in NRW angekündigt, um offiziell das Debakel um den NRW-Parteitag aufzuklären – sie soll Finanzen, Mitglieder und Kandidatenlisten durchleuchten. Weiter hat der Bundesvorstand ein Parteiordnungsverfahren gegen Vincentz und weitere Mitglieder seines Umfeldes eröffnet. Diese Gruppe wiederum hat ein Verfahren gegen den Bundesvorstand vor dem Landgericht Düsseldorf angestrengt – was das Gericht ablehnte – und damit den Parteiinternen Rechtsweg verlassen.
Wer sind die »National-Konservativen«?
Die Gruppe um Vincentz wird in den Medien als »gemäßigt« bezeichnet und gilt als einer der Überreste der alten AFD. Diese war bei ihrer Gründung eine »national-konservative« Partei.
Sie forderte die Wiedereinführung der D-Mark. Die Gründer:innen um Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel verfolgten die Interessen eines Teils der deutschen Industrie, denen eine starke Währung wichtiger war als ein europäischer Wirtschaftsraum.
Damit verbunden war eine populistische Kampagne, die stark auf nationalistische Symbole setzte. Und obwohl die AFD ursprünglich eine rein parlamentarische Perspektive hatte, befanden sich von Anfang an Leute im Gründerkreis, die, wie Alexander Gauland, mit dem Aufbau einer faschistischen Straßenbewegung als Alternative zur parlamentarischen Strategie sympathisieren. Gauland bezeichnete den Nationalsozialismus als einen »Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte«.
Bis heute pflegen auch die »National-Konservativen« Bündnisse mit extremen Rechten und befürworten Massenabschiebungen. So nahm der stellvertretende NRW-Landesvorsitzende Kay Gottschalk am europaweiten Remigrationsgipfel der extremen Rechten in Portugal teil und ließ sich dort mit dem ehemaligen ICE-Chef Bovino ablichten.
Der Machtkampf um den Landesverband in NRW hat insofern Bedeutung, als dass es der mitgliederstärkste Landesverband der AFD ist. Allerdings sind die Machtverhältnisse in der Bundespartei längst geklärt, wie die Erfolge des Nazi-Flügels bei den Vorstandswahlen auf dem Bundesparteitag in Erfurt erneut bestätigen.
Bild: Martin Vincentz setzte sich vorerst gegen den Bundesvorstand durch. (Foto: wiki commons)