500.000 Menschen protestiere in London gegen die extreme Rechte.

Von London lernen: Vielfalt und Entschlossenheit

Am 28. März brachte die »Together Alliance« 500.000 Menschen in London auf die Straße. Es war der größte antifaschistische Protest der britischen Geschichte. Am 4. Juli plant die AFD ihren Bundesparteitag in Erfurt. Was können wir aus Großbritannien lernen, damit er nicht stattfindet? Von Simo Dorn.

Im September 2025 war der Faschist Tommy Robinson mit über 100.000 Rassist:innen durch London marschiert. Die Gegendemo von »Stand Up To Racism« war stundenlang eingekesselt worden. Dieser Schock war Ausgangspunkt einer Massenmobilisierung, die sechs Monate später eine halbe Million Menschen auf die Straße brachte.

Wie die Breite entstand

Die Initiative für das Bündnis ging noch im Herbst von »Stand Up To Racism« aus. Führungsfiguren der britischen Grünen und der Palästina-Solidaritätsbewegung unterstützten es früh. Schließlich vereinte »Together« hunderte Organisationen und zahlreiche Einzelpersonen. Unter den Organisationen waren Gewerkschaften, »Stand up to Racism«, die Palästina-Solidaritätsbewegung, »Your Party«, die Grünen, NGOs, Kirchen. Dazu kamen zahlreiche prominente Künstler:innen und Politiker:innen. Niemand musste die eigene Politik dafür schleifen. Das Motto lautete schlicht: Zusammen können wir uns gegen die extreme Rechte vereinen.

Damit ist nicht nur die Straßenbewegung von Tommy Robinson gemeint. Die rassistische Partei Reform UK von Nigel Farage ist Umfragen zufolge aktuell die stärkste Partei im Land. Die Lage ist ungefähr mit der in Deutschland vergleichbar. Von der Unzufriedenheit mit der Regierung profitieren vor allem rechte Parteien und Bewegungen. Die Regierung selbst befeuert diese Entwicklung durch rassistische Sündenbockpolitik gegen Geflüchtete und Migrant:innen.

Darum fühlten und fühlen sich Nazis immer wieder zu Angriffen, z.B., auf Unterkünfte von Geflüchteten im ganzen Land ermutigt. Antirassistische Initiativen wie zum Beispiel »Stand Up To Racism« arbeiten kontinuierlich an lokalen Bündnissen und Gegenmobilisierungen. Diese gehörten zu den wichtigsten Wurzeln der Mobilisierung.

Ein weiterer Faktor war ein antifaschistischer Protest in London. Die rassistische Partei Ukip hatte im Oktober unmittelbar nach Robinsons Marsch einen »Kreuzzug« durch das muslimisch geprägte Whitechapel geplant. Nach Ankündigung massiver Proteste verbot die Polizei den Marsch. Stattdessen demonstrierten tausende Antifaschist:innen.

Im Februar versammelte die »Workers Against The Far Right«-Konferenz hunderte Gewerkschaftsdelegierte. Aus diesem Treffen entstanden antifaschistische Strukturen in Schulen, Betrieben und Krankenhäusern. Dutzende lokale Untergliederungen der Lehrer:innengewerkschaft NEU beteiligten sich am 28. März laut und kämpferisch. 

Farages Abschiebepläne nehmen Schulen ins Visier. Reform UK fordert eine britische Version der US-Abschiebebehörde ICE und werde »gegen die linken Lehrergewerkschaften Krieg führen«, so Farage.

Alle zusammen nach Erfurt

Was das für die Proteste gegen den AFD-Parteitag am 4. Juli bedeutet:

Die lokalen Mobilisierungen für Strukturen nutzen, die über den Tag hinaus bestehen.

Gewerkschaften auf Betriebsebene einbinden.

Die Palästina-Bewegung integrieren, statt sie auszugrenzen.

Konfrontativ bleiben.


Titelbild: Guy Smallman

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