Der große radikale Dramatiker Bertolt Brecht starb am 14. August vor 70 Jahren. Tomáš Tengely-Evans wirft einen Blick auf das Vermächtnis seiner Stücke und seiner politischen Haltung.
Auch 70 Jahre nach seinem Tod werden Theaterstücke von Bertolt Brecht mit großem Erfolg inszeniert. Es gibt szenische Lesungen seiner Werke und ein Brecht-Festival mit Vergabe eines Brecht-Preises. In diesem Jahr erhielt ihn die Schriftstellerin, Theaterregisseurin und Schauspielerin Emine Sevgi Özdamar.
Bertolt Brecht: Dreigroschenoper
Auch Brechts berühmtestes Stück, die Dreigroschenoper wird in diesem Jahr auf großer Bühne gespielt.
Das Stück spielt im London des 19. Jahrhunderts. Es handelt vom Kriminellen MacHeath (»Mackie Messer«) und dem angesehenen Geschäftsmann Jonathan Jeremiah Peachum. In dieser Version von London ist das Betteln Teil eines organisierten Geschäfts, in das auch hochrangige Polizisten verwickelt sind.
Brecht wollte damit zeigen, dass der große Schwindel an der Spitze der Gesellschaft mit seinem ständigen Personalkarussell von Politikern und Chefs sich nicht vom organisierten Verbrechen unterscheidet.
Als die »Dreigroschenoper« 1928 uraufgeführt wurde, machte sie Brecht zu einem internationalen Star.
Episches Theater
In der neueren Brecht-Rezeption finden sich häufig zwei gegensätzliche Lesarten. Entweder wird seine Kunst trotz seiner kommunistischen Überzeugungen gewürdigt. Oder sein Werk wird auf seine Nähe zum Stalinismus reduziert. Mit solchen Angriffen sah er sich schon zu seiner Zeit konfrontiert. Teilweise, um ihnen zu entgehen, begann Brecht, seinen Stil des »epischen Theaters« zu entwickeln.
Brecht wollte nicht, dass die Theaterbesucher seine Stücke passiv genossen. Sie sollten kritisch über das nachdenken, was sich auf der Bühne abspielte.
Um eine Distanz zum Publikum zu schaffen, wählte er historische Schauplätze. Oder er ließ einen Sprecher die Szenen zusammenfassen, bevor sie begannen.
»Und ich dachte immer: die allereinfachsten Worte
Müssen genügen. …
Dass du untergehst, wenn du dich nicht wehrst
Das wirst du doch einsehn.«
– Bertolt Brecht, Und ich dachte immer
Bertolt Brecht und der Kommunismus
Die politischen Aspekte seiner späteren Stücke lassen sich nicht ausblenden.
Das Stück »Die Mutter«, das während der Russischen Revolution von 1905 spielt, handelt von einer Mutter, die versucht, ihren bolschewistischen Sohn aus dem Gefängnis zu befreien und dabei selbst zur Kommunistin wird. Brechts nüchternes Gedicht »Lob des Kommunismus« ist ursprünglich aus diesem Theaterstück.
Der Kommunismus »ist das Einfache, das schwer zu machen ist«, schrieb er.
Brechts Verhältnis zum stalinistischen ostdeutschen Regime war widersprüchlich. Er hielt es für eine unvollkommene Form des Sozialismus.
Doch nach dem Berliner Arbeiteraufstand von 1953, der von russischen Panzern brutal niedergeschlagen wurde, schrieb er den berühmten Satz: »Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?«
Was weiterlebt, ist Brechts schöne und klare Sprache, mit der er seine radikale politische Botschaft vermittelte. Diese Botschaft hallt auch heute noch nach.
Wie Brecht es formulierte:
»Und ich dachte immer: die allereinfachsten Worte
Müssen genügen. …
Dass du untergehst, wenn du dich nicht wehrst…«
Dieser Artikel erschien zuerst bei Socialist Worker am 9. August 2016. Wir haben ihn aktualisiert und dem deutschen Kontext angepasst.
Aus dem Englischen von Francis Byrne.