Die Militarisierung greift längst in unseren Alltag ein: in Betriebe, Schulen und Krankenhäusern. Vor diesem Hintergrund luden die Initiative »Hände weg vom Wedding« und der Bund der Kommunist:innen zur Friedenskonferenz »Entrüstung« ein. Mehrere hundert Menschen kamen vom 27. Februar bis 1. März 2026 im City Kino Wedding zusammen, um sich gegen diese Militarisierung zu organisieren.
Es gab auf der Friedenskonferenz unter anderem ein Panel zum gewerkschaftlichen Kampf. Dort wurde klar: Die Kriegsfrage prägt inzwischen jede Tarifrunde. In vielen Betrieben dominiert die Parole, man müsse »verteidigungsfähig« sein. Diese Logik spaltet Belegschaften.
Mehrere Beiträge betonten: Jede tarifliche Auseinandersetzung ist immer auch eine politische. Reallohnkämpfe sind Kämpfe gegen Kriegspolitik, denn jeder Euro für Aufrüstung fehlt bei Löhnen, Personal und sozialen Leistungen. Dass diese Verbindung real ist, zeigte ein Zitat von Verteidigungsminister Boris Pistorius: Er habe erklärt, ein guter Tarifabschluss sei nicht in seinem Interesse, da dies das Budget für Aufrüstung schmälere. Deutlicher kann man den Zielkonflikt kaum formulieren.
Die Bundesregierung greift damit direkt in gewerkschaftliche Auseinandersetzungen ein. Das verschärft die Notwendigkeit, Kämpfe auszuweiten – nicht nur in der Rüstungsindustrie, sondern branchenübergreifend. Gleichzeitig zeigte die Diskussion, dass Organisierung auch unabhängig von Gewerkschaftsapparaten notwendig sei, wenn diese bremsen.
Gewerkschaften im Spannungsfeld
Schon auf dem Gewerkschaftstag 2024 von ver.di stritten rund 1.000 Delegierte stundenlang über Krieg, Waffenlieferungen und Hochrüstung. Die Mehrheit stellte sich gegen Hochrüstung, weil sie Ressourcen aus Gesundheit, Bildung und öffentlicher Daseinsvorsorge abzieht. In der Bewertung konkreter Kriege blieben aber Differenzen bestehen.
Jetzt auf dieser Friedenskonferenz erinnerte Gotthardt Krupp von ver.di Berlin-Brandenburg an eine historische Erfahrung: 1933 zerschlugen die Nationalsozialisten die Gewerkschaften, nachdem die Arbeiterbewegung sich zuvor gespalten hatte. Diese Schwäche nutzten sie gezielt aus.
Auch heute treiben rechte Kräfte Spaltungen voran. So greift die AfD Gewerkschaften offen an und versucht gleichzeitig, Unzufriedenheit in den Betrieben für ihre Agenda zu nutzen. Wenn Gewerkschaften dieser Strategie etwas entgegensetzen wollen, müssen sie ihre Einheit verteidigen. Nur eine geeinte Bewegung kann Kriegspolitik und Rechtsruck wirksam bekämpfen.
Kriegspropaganda
Ein Beschäftigter von Vivantes berichtete, wie die Kriegsvorbereitung im Gesundheitswesen verschleiert werde. Gleichzeitig funktioniere die antirussische Propaganda über Angst und Bedrohungsszenarien. Die Bevölkerung solle so mental auf einen möglichen Krieg vorbereitet werden.
»Sie wollen den Krieg«
„Gotthardt Krupp brachte es auf den Punkt: »Sie haben entschieden, sie wollen den Krieg.« Die staatliche Kriegspolitik spiegelt die strategischen Interessen von Kapital und Staatsapparat wider – nicht die sozialen Interessen der arbeitenden Bevölkerung.
Aufklärung und Streiks sind nötig
Auf dem Panel bestand Einigkeit: Gewerkschaftlicher Kampf und Antikriegsarbeit lassen sich nicht trennen. Wer für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen kämpft, verteidigt zugleich soziale Infrastruktur gegen militärische Umverteilung. Wer den Sozialstaat schützt, stellt sich dem Aufrüstungskurs entgegen. Ob dieser Kurs gestoppt wird, entscheidet sich dort, wo Beschäftigte sich organisieren, streiken und Druck aufbauen – in den Betrieben. Nicht Debattenrunden, sondern organisierte Belegschaften werden darüber entscheiden, ob die Regierung ihren Kriegskurs durchsetzen kann.
Es braucht organisierte Gegenmacht
Die Teilnehmer:innen erarbeiteten auch konkrete Organisierungsmöglichkeiten vor Ort: Widerstand gegen die drohende Wiedereinführung der Wehrpflicht, Proteste gegen die Waffenfabrik im Wedding und gegen eine geplante Musterungszentrale im Stadtteil.
Bildquelle: https://nowarberlin.org