Demonstrierende von Aufstehen gegen Rassismus beim Internationalen Frauenkampftag in Berlin

AfD gegen Frauenrechte – Warum sie trotzdem gewählt wird

Die AfD leugnet die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt. Lohnunterschiede nennt sie Propaganda. Gleichstellungsgesetze und Frauenquoten will sie abschaffen. Trotzdem wählt fast jede fünfte Frau die AfD. Warum wählen so viele Frauen eine Partei, die sich gegen sie ausspricht – und engagieren sich sogar aktiv?

AfD gegen Frauenrechte

In ihren Programmen propagiert die AfD die »klassische« Familie aus Mann, Frau und Kind als Norm. Andere Lebensentwürfe gelten als Bedrohung der »natürlichen Ordnung«. Alleinerziehende, queere Familien oder kinderlose Frauen werden abgewertet.

Gleichzeitig richtet sich die AfD offen gegen trans*, inter* und queere Menschen. Geschlechtliche Vielfalt diffamiert sie als »Gender-Ideologie«. Selbstbestimmung über den eigenen Körper und die eigene Identität will sie einschränken, geschlechtsangleichende Maßnahmen verbieten.

Besonders deutlich zeigt sich ihr frauenfeindlicher Kern beim Thema Schwangerschaftsabbruch. Die AfD verlangt, dass die verpflichtende Beratung Frauen zum Austragen der Schwangerschaft drängt, statt ergebnisoffen zu sein. Kein Zufall: Die Partei ist seit Jahren eng mit rechten Abtreibungsgegner:innen vernetzt.

Die AfD reduziert Frauen auf ihre Funktion für den »Volkserhalt«. Die Partei fordert »mehr Kinder statt Masseneinwanderung« und macht höhere Geburtenraten zur nationalen Pflicht. 2020 erklärte sie, für den »Erhalt des deutschen Volkes« brauche es durchschnittlich 2,1 Kinder pro Frau.

Die Parallelen zu nationalsozialistischen Ideologien sind offensichtlich. Während sie »deutsche« Frauen zur Reproduktion der Nation auffordern, will sie migrantische Menschen massenhaft abschieben.

Warum wählen Frauen rechte Parteien?

Dass Frauen trotz offener Widersprüche diese faschistische Partei wählen, hat mit einem kapitalistischen System zu tun, das sie überlastet und benachteiligt.

Die AfD präsentiert sich als »Beschützerin« der traditionellen Familie und stellt Mutterschaft nationalistisch in den Mittelpunkt. Damit spricht sie Frauen an, die im Alltag eine enorme Last tragen: unbezahlte Sorgearbeit – für Pflege, Erziehung und Haushalt – niedrige Löhne, fehlende Kinderbetreuung, steigende Mieten und Angriffe auf den Sozialstaat. Gleichberechtigung bleibt für viele ein leeres Versprechen.

Daran knüpfen die AfD und andere rechte Parteien an, verdrehen aber die Ursachen. Sie nutzen Rassismus, um Armut, Wohnungsnot und Gewalt umzudeuten, und schieben die Verantwortung auf Migrant:innen. Dabei schüren sie gezielt Angst vor Geflüchteten. Seit Jahren spricht die AfD bei sogenannten Bürgerdialogen gegen Geflüchtetenunterkünfte gezielt Mütter an und stellt den Schutz von Frauen und Kindern in den Mittelpunkt. Die extreme Rechte reagiert dabei nicht einfach auf Gewalt. Sie konstruiert gezielt Bedrohungsszenarien, um Angst zu erzeugen und ihre Politik zu legitimieren.

Gewalt gegen Frauen

Gleichzeitig verschweigt sie, dass Gewalt an Frauen Ausdruck eines patriarchalen Systems ist und in allen sozialen Gruppen vorkommt. In Deutschland wird jeden Tag ein Femizid begangen, täglich werden 150 Frauen Opfer sexueller Gewalt – meist in der eigenen Wohnung, meist durch Männer aus der Familie oder dem sozialen Umfeld. 2024 meldeten über 180.000 Frauen häusliche Gewalt.

Obwohl die Mehrheit der Tatverdächtigen häuslicher Gewalt die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, übernehmen auch die Parteien der sogenannten Mitte die rassistische Erzählung vom »frauenfeindlichen, gewalttätigen migrantischen Mann«. So normalisieren sie rechte Ideologien und instrumentalisieren Frauen, um Abschiebungen und antimuslimischen Rassismus zu legitimieren.

Das ist kein neues Muster: Schon in den 1920er- und 30er Jahren stärkten etablierte Parteien Rassismus und Sexismus – und trieben damit viele in die Arme faschistischer Bewegungen.

Für einen Teil der Wähler:innen wirken Rassismus und Hetze als einfache Antworten auf reale Unsicherheit. Doch Rassismus befreit oder sichert niemanden. Er spaltet die Arbeiterklasse und stabilisiert genau jene Verhältnisse, die Unterdrückung aufrechterhalten.

Zwischen Enttäuschung und Überlastung

Rechte Politik wirkt auf manche Frauen auch deshalb attraktiv, weil ein liberaler Feminismus an Grenzen stößt. Er hat Fortschritte erreicht, konzentriert sich aber oft auf Quoten und Repräsentation statt Veränderung.

Wenn selbst Frauenrechtlerinnen in einer Frau an der Spitze der AfD Fortschritt sehen, zeigt das, wie stark Gleichstellung auf Repräsentation verkürzt wird. Wenn Gleichstellungspolitik vor allem den Aufstieg einzelner Frauen meint, bleibt die strukturelle Ungleichheit bestehen. Immer noch verdienen Frauen trotz gleicher Arbeit weniger als Männer.  Eine Quote hebt keinen Lohn an und verteilt Sorgearbeit nicht neu.

So entsteht ein Widerspruch: Die Politik erklärt Gleichberechtigung als erreicht, doch im Alltag vieler Frauen ändert sich nichts. In diese Lücke stößt die AfD mit einer nationalistischen Umdeutung sozialer Krisen.

Die AfD verkauft Nationalismus, autoritäre Ordnung und traditionelle Rollen als Sicherheit. Dass das manche überzeugt, zeigt keine Stärke der Rechten, sondern die Tiefe der Krise eines Systems, das Frauen überlastet und die Arbeiterklasse gegeneinander ausspielt.

Instrumentalisierung von Frauen

Die extreme Rechte eint ein antifeministisches Weltbild. Gleichzeitig nutzt sie Frauen gezielt, um ihre Hetze anschlussfähig zu machen. Frauen, die sich in rechten Parteien engagieren, erfüllen dort eine strategische Funktion. Die AfD täuscht vor, Gleichberechtigung zu fördern, in ihren Programmen spielt sie jedoch keine Rolle.

Frauen in Führungspositionen dienen als Schutzschild gegen den Vorwurf des Sexismus. Die AfD stellt die prominente Rolle von Alice Weidel in den Vordergrund, um sich als modern und gleichberechtigt zu präsentieren. Doch in der Partei dominieren Männer. Nur rund 21 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Auch unter den Mandatsträger:innen bleiben sie stark unterrepräsentiert. In der Bundestagsfraktion zeigt sich diese Dominanz besonders deutlich: Nach der Wahl 2025 stellten Frauen nur etwa 12 Prozent der Abgeordneten – der niedrigste Anteil im Parlament.

Auch international präsentiert sich die extreme Rechte mit Politikerinnen wie Giorgia Meloni oder Marine Le Pen als modern und anschlussfähig. Eine Frau an der Spitze senkt Hemmschwellen und schafft Akzeptanz. Rechte Parteien setzen Frauen auch gezielt in der Öffentlichkeit ein – etwa an Infoständen oder bei Auftritten. Sie nutzen sie als Aushängeschild für eine Politik, die Nationalismus, Ausgrenzung und patriarchale Ordnung verteidigt. Dass Frauen in rechten Strukturen teilweise schneller aufsteigen, ändert nichts am Charakter der Partei.

Kein neues Phänomen

Dieses Muster reicht weit zurück. Der Erste Weltkrieg politisierte viele Frauen und gab ihnen durch Nationalismus das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein. Nach dem Krieg drängten etablierte Parteien sie jedoch wieder in die private Sphäre zurück. Viele erlebten das als Abwertung.

Faschistische Bewegungen in Italien und Deutschland knüpften daran an und bauten Frauenorganisationen auf, in die sie Millionen Frauen eingebunden haben. Bis März 1933 erhielt die NSDAP mehr Stimmen von Frauen als von Männern. Sie bot ihnen Anerkennung und Aufgaben, ohne ihre Unterordnung infrage zu stellen. Frauen organisierten Veranstaltungen, verbreiteten Ideologie und trugen zur Stabilisierung des Regimes bei. Die NSDAP schloss sie jedoch konsequent von politischer Macht aus und ließ sie nicht als Kandidatinnen zu. Sobald Frauen mehr Eigenständigkeit einforderten, drängten die Regime sie wieder zurück.

Dieses Muster zeigt sich auch heute bei faschistischen Parteien wie der AfD. Was modern wirken soll, hält an einem klar antifeministischen und patriarchalen Frauenbild fest.


Titelbild: AgR Berlin

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