Am Mittwoch, den 6. Mai, setzte das Rektorat der Universität zu Köln Polizei ein, um eine Veranstaltung des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA) zur deutschen Gaza-Berichterstattung zu verhindern. Vortrag und Diskussion fanden dennoch statt, berichtet SVU Köln.
Der AStA der Universität zu Köln lud am Mittwoch gemeinsam mit dem Journalisten Fabian Goldmann und der palästinasolidarischen Uni-Gruppe »Camp for Palestine Uni Köln« zu einer Vorstellung von Goldmanns neu erschienenem Buch »Staats(räson)funk« ein. Das Buch analysiert das strukturelle Versagen der deutschen Medienlandschaft bei der Berichterstattung über den Völkermord in Gaza. Goldman zeigt, wie »aus gut ausgebildeten Journalisten Propagandisten eines Genozids werden konnten.«
Passend zur zunehmenden politischen Relevanz und gesellschaftlichen Ablehnung der Staatsräson war die Veranstaltung zunächst im Hauptgebäude des Campus angesetzt, bevor das Rektorat der Universität eine Verlegung an einen abgelegenen Ort am Rande des Campus befahl. Wie eine teilnehmende Person zu Beginn der Veranstaltung bemerkte, gehe es der Uni Köln im Umgang mit Palästinasolidarität »ganz klar nicht darum, einen Dialog zu eröffnen, sondern zu skandalisieren und klarzumachen: Es gibt keine Möglichkeit für einen Diskurs«.
Die Universität zu Köln fiel bereits mehrfach durch scharfe Repressionen gegen Kritik an der israelischen Besatzung oder dem Völkermord in Palästina auf. Neben der polizeilichen Räumung friedlicher Kundgebungen und der Einleitung von Gerichtsverfahren gegen eigene Studierende war der bekannteste Fall wohl die Ausladung der jüdisch-amerikanischen Philosophin Nancy Fraser, die in Köln die renommierte Albertus-Magnus-Professur antreten sollte. Grund für Frasers Ausladung war, dass sie eine Solidaritätsbekundung mit Palästinenser:innen unterzeichnet und Israels Völkermord in Gaza verurteilt hatte.
Kurzfristiger Raumentzug
Die Repressionen und zuvor beschriebenen Skandalisierungen durch die Universität zu Köln erreichten ihren Höhepunkt kurz vor dem Veranstaltungstag, als das Rektorat der Universität dem AStA auf Grund von »Sicherheitsbedenken« den Raum entzog und die Veranstaltung somit verbot. Der AStA reagierte in einem Statement mit »Jetzt erst recht«. Unter Berufung auf die demokratischen Selbstansprüche der Universität sowie Beschlüsse des Uni-Senats bestand er auf die Durchführung der Veranstaltung. Die Veranstaltung werde »trotz Absage der Universität wie angekündigt stattfinden und wir werden umso motivierter und öffentlichkeitswirksamer diskutieren, wie wir all diese Ansprüche zur Geltung kommen lassen können.«
Bereits eine Stunde vor Veranstaltungsbeginn rief die Universität die Polizei zur Durchsetzung ihres Verbots hinzu und verwehrte den Studierenden den Zutritt. Als Studierende einen Pavillon auf einer universitären Grünfläche aufbauten, um die Veranstaltung nach draußen zu verlegen, ordnete das Uni-Rektorat der Polizei die Räumung an. Senta, Mitglied des AStA, hält fest: »Der Völkermord [in Gaza], die deutsche Staatsräson vertragen weder Kritik, noch demokratische Auseinandersetzung.« Während der Polizeieinsatz für sie »eine Bankrotterklärung dieser Unileitung« ist, werde sie jedoch dafür kämpfen, dass »die Maßstäbe, die der Wissenschaft innewohnen, nicht aufgegeben, sondern weiter ausgeprägt werden.«
In Verhandlungen mit der Polizei gelang es den Studierenden dann, eine Spontankundgebung direkt vor dem Eingang des entzogenen Gebäudes anzumelden und die Veranstaltung durchzusetzen.
Vor der verbotenen Halle
Wütend und ohnmächtig stapfte die Uni-Leitung davon, als Fabian Goldmann seinen Vortrag vor circa zweihundertfünfzig Studierenden begann. Immer mehr Studierende, die vorbeigingen, schlossen sich an und folgten interessiert den Diskussionen. Eine Person zieht Bilanz: »Ich find’s Hammer, dass wir jetzt hier sind, weil es zeigt, dass wir uns nicht von der Uni vertreiben lassen. Es zeigt, dass wir da sind, dass wir laut sind und es sind so viele Menschen gekommen. Das freut mich mega!«
Das Verhalten der Universitätsleitung zu Köln zeigt, dass Goldmans Kritik am Journalismus ebenfalls für akademische Institutionen gilt.
Titelbild: SVU Köln