Am 15. Tag des US-amerikanischen und israelischen Angriffs auf den Iran kamen hunderte Menschen in Köln zu einer Demonstration zusammen, um lautstark gegen den Angriffskrieg zu protestieren. Ein Bündnis aus unterschiedlichsten politischen Gruppen hatte sich zusammengefunden und eine eindrucksvolle Demonstration organisiert. Ein Bericht von SVU Köln.
Aus dem Aufruf für die Demonstration wurde deutlich: Es geht nicht um die Verteidigung des Mullah-Regimes. Viel differenzierter hieß es in dem Aufruf:
»Wir verurteilen den brutalen Angriff der USA und Israels auf den Iran! Unter dem Deckmantel eines „Präventivschlags“ wird seit dem 28. Februar ein völkerrechtswidriger Angriffskrieg geführt, der mittlerweile die gesamte Region destabilisiert.
… Uns liegt fern, die iranische Regierung in Schutz zu nehmen, die noch im Januar die Proteste blutig niedergeschlagen hat. Aber es muss klar sein:
Selbstbestimmungsrecht wird nicht durch Bomben von außen geschaffen. Der Kampf der Menschen im Iran für Demokratie und Freiheit wird durch den Krieg von außen nicht gestärkt, sondern geschwächt.«
Bundesregierung gewährt den USA Nutzung der Luftwaffenstützpunkte
Sozialismus von Unten Köln fragte einige Demo-Teilnehmer:innen, warum es wichtig ist, aktiv gegen den Krieg zu sein.
Uwe Trieschmann von den Internationalen Ärzt:innen für die Verhütung des Atomkrieges/Ärzt:innen in sozialer Verantwortung e.V. (IPPNW) antwortete:
»Der erste Grund ist, dass die Menschen dort leiden. Man muss sich nur die Bilder im Internet anschauen und sehen, wie der Himmel sich schwarz verfärbte, nachdem die Öltanks dort bombardiert wurden; wie Schulen bombardiert werden, wie Krankenhäuser bombardiert werden; das sind alles Kriegsverbrechen. Also als erstes steht die Solidarität mit den Menschen im Iran, aber auch mit den Menschen im Libanon, die auch von Israel vollkommen willkürlich bombardiert werden.
Zweiter Grund ist, dass sich diese Demonstration auch gegen die Bundesregierung und ihre Politik richtet. Die Bundesregierung hat sich bisher geweigert, diesen Krieg als völkerrechtswidrig einzustufen und dagegen zu protestieren. Im Gegenteil: Die Bundesregierung gewährt den USA sogar, die Luftwaffenstützpunkte hier in Deutschland für die Angriffskriege zu nutzen! Andere Länder, wie beispielsweise Spanien haben dies verweigert.«
Krieg um Ressourcen, Öl und Macht
Der Exil-Iraner Nader sagte uns:
»Die erste und wichtigste Sache ist, dass der Krieg beendet werden muss. Wir haben gegen den Jugoslawienkrieg demonstriert, gegen den ersten Irakkrieg 1991 und auch gegen den zweiten Irakkrieg 2003. Wir müssen jetzt auch aktiv sein.
Es handelt sich hier um einen imperialistischen Krieg. Sie kennen nur Zerstörung, um ihre imperialistische Politik durchzusetzen. Jeder Mensch sollte gegen diesen Krieg demonstrieren. Ich frage mich: Wie kann man heutzutage für Krieg sein?
Der Krieg wird von einer Handvoll Kriegsverbrechern wie Netanjahu angeführt. Jeder weiß: Es geht nicht um Demokratisierung oder so etwas. Diese Parolen glaubt ihnen niemand mehr. Jeder weiß, es geht um Ressourcen, es geht um Öl und es geht um Macht.
Wichtig ist auch zu verstehen, dass dieser Krieg mit den Bombardierungen von außen das theokratische Regime innen stärkt.«
Empathie mit den Betroffenen
Auf vielen selbstgemachten Demo-Schildern wurde auf die Bombardierung einer Mädchenschule in Minab in der Provinz Hormozgan mit einer US-amerikanischen Tomahawk-Rakete hingewiesen, bei der 170 Schülerinnen starben. Auch die Äußerung von Kanzler Merz vom letzten Sommer, dass Israel die »Drecksarbeit für uns« mache, wurde auf einigen Plakaten aufgegriffen.
Forderungen, die Angriffe sofort zu beenden, standen im Mittelpunkt der Demonstration. Aber auch das Mitgefühl mit den Opfern der Bombardierungen war sehr stark spürbar.
Andrea, eine Teilnehmerin aus Köln sagte: »Ich spüre eine ganz starke Empathie mit den Menschen, die in Iran angegriffen werden. Mir geht es körperlich richtig schlecht, wenn ich lese, wie die Menschen in Tehran die ölverpestete Luft atmen müssen. Ich bin hier, um mein Mitgefühl mit den Menschen dort zu zeigen.«
Bild: Opfer der israelischen Bombardierungen einer Mädchenschule (Foto: SVU Köln)