Das Verhandlungsergebnis für rund 2,2 Millionen Beschäftigte der Länder liegt weit hinter den Forderungen der Gewerkschaften. Es hat eine Welle von Enttäuschung und Wut ausgelöst. Doch der Kampf ist noch nicht verloren. Von Regina Sternal und Dave Gardner
Statt der geforderten 7 Prozent mehr Lohn in 12 Monaten gibt es nur 5,8 Prozent – verteilt auf 27 Monate, 1 Prozent erst im dritten Jahr, die ersten fünf Monate ohne Erhöhung. Effektiv steigt der Lohn im Schnitt um rund 2,3 Prozent pro Jahr.
Der wichtige Mindestbetrag für die unteren Lohngruppen beträgt 100 Euro statt 300 Euro. Die Angleichung der Wochenarbeitszeit an den Unikliniken in Ost und West soll erst 2029 erfolgen. Studentische Beschäftigte erhalten erneut keinen Tarifvertrag und nur wenige Cent über dem Mindestlohn.
Berücksichtigt man steigende Ausgaben für Krankenkassen, Miete und Energie bedeutet das für die Beschäftigten einen Reallohnverlust.
Geld ist genug da!
Ver.di-Vorsitzender und SPD-Mitglied Frank Werneke verteidigt das Ergebnis als »schwierigen Kompromiss in schwierigen Zeiten« und folgt damit der Politik seiner SPD-Genoss:innen in der Großen Koalition. Unter Verweis auf angebliche finanzielle Zwänge scheut er die notwendige Konfrontation.
Aber nicht wir sind zu teuer – Reichtum wird zu wenig besteuert. 28 Milliarden pro Jahr würde laut DGB eine Vermögenssteuer einbringen. Statt 500 Mrd. Sondervermögen für Aufrüstung braucht es Sondervermögen für Bildung, Gesundheit und Soziales.
Bisher schweigt ver.di leider dazu. Im Gegensatz dazu unterstützt die GEW den Aufruf »Gewerkschaften gegen Aufrüstung und Krieg« und mobilisiert am 5. März 2026 zum Schulstreik gegen die Wehrpflicht.
Wie gewinnen?
Sofort nach Bekanntwerden des Ergebnisses versammelten sich in Berlin Kolleg:innen betriebsübergreifend: »Es tat gut, unsere Wut zu teilen und zu sehen, dass die überwältigende Mehrheit das Verhandlungsergebnis ablehnen wird. Im Austausch haben wir neue Kraft geschöpft und diskutiert, wie wir unsere Kampfkraft stärken können«, berichtet R. vom Bezirksamt.
Vereinzelt wurde dennoch dringend empfohlen, den Deal anzunehmen: Mehr sei nicht durchsetzbar, weil wir zu schwach seien. Doch das Ergebnis als alternativlos darzustellen, führt zur Demoralisierung und schwächt die Gewerkschaft weiter.
Richtig ist: Die Mobilisierung war bislang nicht ausreichend. Verantwortlich dafür sind jedoch nicht die Kolleg:innen, die noch nicht mitgestreikt haben. Im Gegenteil – im Verlauf der Streiks hat sich die Beteiligung verdreifacht.
Stefan aus Hamburg erzählt:
»Bei der ersten Streikkundgebung waren wir aus meiner Schule nur zu zweit. Inzwischen konnten wir bis zu 16 Kolleg:innen mobilisieren – auch weil die Stimmung auf den Demos immer besser wurde und wir gemeinsam mit den Kolleg:innen bei Hochbahn, Autobahn GmbH und anderen Tarifrunden gestreikt haben. Das war sehr inspirierend.
Trotzdem: 16 von rund 80 Tarifangestellten sind zu wenig. Wir merken deutlich: Ohne eine gewerkschaftliche Betriebsgruppe an unserer Schule können wir nicht richtig mobilisieren. Jetzt geht es darum, den Schwung und die Erfahrungen der Streiks zu nutzen, um uns zu vernetzen und eine Gruppe aufzubauen.«
Wie weiter?
Diese Tarifrunde ist Teil eines umfassenderen Angriffs auf Sozialstaat und Arbeitnehmerrechte – es geht um Verteilungsmacht. Wenn die Gegenseite politisch agiert, müssen Gewerkschaften ebenfalls politisch handeln.
In der bevorstehenden Mitgliederbefragung gilt es, den faulen Kompromiss abzulehnen. Der nächste Schritt sollte sein, unzufriedene Kolleg:innen zu vernetzen. Eine Kampagne für ein Nein beim Mitgliederentscheid kann dafür den organisatorischen Rahmen schaffen.
Jetzt ist es an Werneke, den Slogan »Zusammen geht mehr!« mit Leben zu füllen und Arbeitskämpfe zeitgleich und entschlossen zu bündeln.
Die Tarifrunde wäre eine gute Gelegenheit, eine breite Bewegung für Umverteilung von oben nach unten aufzubauen. Konsequent und politisch geführt, kann der Kampf im Öffentlichen Dienst noch gewonnen werden.