Shutdown in Minneapolis: Streik gegen das Trump‑Regime

Die Gewerkschaften unterstützten den Aufruf zu einem wirtschaftlichen Stillstand gegen den Terror der Einwanderungsbehörde ICE. Von Judy Cox und Camilla Royle.

Minnesota erhob sich am Freitag in einem historischen Shutdown. Die Menschen weigerten sich, zur Arbeit, zur Schule oder zum Einkaufen zu gehen, um an einem Tag der Wut gegen Donald Trumps Einsatz von Bundesbeamten zur Besetzung des Bundesstaates zu protestieren.

Tausende von Arbeitnehmer:innen versammelten sich am Morgen am Flughafen Minneapolis-St. Paul, wo eine Gruppe von 100 religiösen Führungspersonen aus Protest gegen die ICE die Straße blockiert hatte und massenhaft verhaftet wurde.

Sie trotzten dem extremen Wetter, da der Bundesstaat den heftigsten Winter seit mindestens sechs Jahren erlebt und die Temperaturen auf -30 Grad Celsius fielen.

Demonstrationen am Flughafen und in der Stadt

Nick Benson, ein Organisator der Kampagnengruppe 50501, sagte gegenüber lokalen Journalisten: »Dieser Flughafen ist der Flaschenhals, über den unsere Nachbarn Gott-weiß-wohin verschifft werden. Gestern haben wir die geschätzte Zahl von 2.000 Abschiebungen in diesem Monat erreicht.«

Auf Plakaten wurde gefordert, dass Unternehmen wie Delta Air Lines die Zusammenarbeit mit der Einwanderungs- und Zollbehörde ICE verweigern sollten. Andere Demonstranten hielten Schilder mit den Namen von Flughafenmitarbeiter:innen hoch, die Mitglieder der Gewerkschaft Unite Here sind und von der Bundesbehörde entführt wurden.

Um 14 Uhr begann eine riesige Menschenmenge von etwa 100.000 Menschen durch die Innenstadt von Minneapolis zu marschieren, begleitet von lauten Sprechchören wie »Streik, Streik, Streik«, »Ice abschaffen« und »Wenn wir keine Gerechtigkeit bekommen, dann bekommen sie keinen Frieden«.

Ein Demonstrant sagte gegenüber den Reportern von Breakthrough News: »Die Regierung verwandelt unser Land in ein faschistisches Regime. Das ist nicht das, was wir wollen; das entspricht nicht dem, was wir sind.«

»Unsere Schüler:innen wurden entführt. Wir legen alles lahm für unsere Schüler:innen.«

Ein Mitglied der Gewerkschaft Minneapolis Federation of Educators, einer Gewerkschaft aus dem Bildungssektor sagte: »Unsere Schulen werden angegriffen, unsere Schüler:innen sind verschwunden, sie wurden entführt. Wir nehmen das nicht mehr hin. Wir legen alles lahm. Für unsere Schüler legen wir alles lahm.«

An anderer Stelle bildete eine Gruppe von mehreren hundert Menschen eine Straßensperre vor dem Whipple Federal Building in Fort Snelling, wo ICE verhaftete Menschen festhält.

Die Gewerkschaft der Graduierten der University of Minnesota riet ihren 4.000 Mitgliedern, nicht zur Arbeit zu erscheinen.

Amy Harbourne von der GLU sagte gegenüber Socialist Worker: »Ich habe wirklich das Gefühl, dass wir mit all diesen Organisierungsmaßnahmen etwas bewirken.«

Sie sagte: »Unsere konsequenten Forderungen spiegeln die Notwendigkeit wider, dass die Universität konkrete Maßnahmen ergreift – eine Verpflichtung zu unserer Sicherheit und zum Schutz von Arbeitnehmer:innen mit Migrationshintergrund.

Unsere Universität kann nicht schweigen, wenn Einwanderer buchstäblich angegriffen werden. Als Doktoranden haben wir eine enorme Macht, denn ohne uns kann die Universität nicht funktionieren.

Wir nennen es nicht Streik. Aber wir raten den Arbeitnehmern, einen ihrer persönlichen Urlaubstage zu nehmen oder ihren Vorgesetzten zu fragen, ob sie sich den Tag freinehmen können. Wir möchten, dass alle mitmachen.«

»Wir werden weitermachen.«

Amy fügte hinzu, dass GLU-Mitglieder sich über den Aktionstag am Freitag hinaus weiter organisieren werden.

»Damit werden wir weitermachen. Wir haben Partner in der Gemeinde, die Lebensmittel liefern und Fahrgemeinschaften bilden, damit niemand alleine zu Fuß gehen oder den Bus nehmen muss.

Wir sind vor den ICE-Haftanstalten präsent, damit die Menschen nach ihrer Entlassung einen Ort haben, an den sie gehen können. Sie werden einfach dort abgeladen und bekommen manchmal ihre Sachen nicht zurück. Deshalb haben wir Freiwillige, die ihre ganze Zeit dort verbringen, um sie mit Fahrten nach Hause, warmer Kleidung und anderen Dingen zu unterstützen.

Wir werden unsere Nachbarn weiterhin schützen und öffentlichen Druck auf die Universität ausüben.«

Christa Sarrack, Vorsitzende einer Gewerkschaft, die 6.000 Beschäftigte im Gastgewerbe von Minnesota vertritt, glaubt, dass am Freitag die größte Arbeitnehmeraktion stattgefunden hat, die der Bundesstaat je gesehen hat.

»Wir können nicht einfach tatenlos zusehen und zulassen, dass dies so weitergeht. Wir müssen alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um uns zu wehren.«

In vielen Berichten in den sozialen Medien wurde die Aktion als Generalstreik bezeichnet. Nina Turner, ehemalige Senatorin und Gründerin der Gruppe »Strike for All«, schrieb: »Heute beteiligen sich Arbeiterinnen und Arbeiter aus dem gesamten Raum Minneapolis an einem Generalstreik, um gegen die Terrorisierung ihrer Gemeinden durch die Einwanderungsbehörde ICE zu protestieren.

Dies ist ein herausragender Moment in unserer Geschichte, es ist der erste Schritt zur Veränderung.«

Ein anderer Demonstrant sagte: »Dies ist ein Zeichen der Solidarität, ein Zeichen der Gemeinschaft, wir sind organisiert, wir stehen alle zusammen. Sie haben jetzt Angst vor uns.«

»Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz Angst zu handeln.«

Studierende der University of Minnesota schlossen sich der Aktion an. Dahir Munye von der Somali Student Association sagte bei einer Protestkundgebung:

»Es gibt keinen Grund, warum ich meinen Reisepass ständig bei mir tragen und auf eine Razzia der Einwanderungsbehörde warten sollte. Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben, sondern trotz Angst zu handeln. Und dieser Mut ist kollektiv. ICE gehört nicht nach Minnesota.«

Hunderte somalische und andere Geschäfte blieben an diesem Tag geschlossen. Die New York Times berichtete, dass einige Unternehmen handgeschriebene Schilder aufstellten, auf denen sie einen Generalstreik ankündigten und ihre Solidarität mit den kämpfenden aus der Stadt bekundeten. Andere blieben geöffnet, um den Demonstranten kostenlose Heißgetränke anzubieten.

Alison Kirwin, Inhaberin von Al’s Breakfast, sagte: »Es gibt einen Zeitpunkt, an dem man Stellung beziehen muss, und der ist jetzt gekommen.«

Laut der Nachrichtenseite Payday Report gab es Solidaritätsaktionen in 250 Städten in den Vereinigten Staaten.

Solidaritätsaktionen in weiteren 250 US-Städten

Etwa 600 Schüler der Duluth High School in Atlanta, Georgia, verließen den Unterricht. Dutzende andere Schulen in Georgia ergriffen ähnliche Maßnahmen.

In New York marschierten Studenten der NYU solidarisch hinter einem Banner mit der Aufschrift »Keine Zustimmung zu Trumps Gewalt«. Arbeiter:innen in der ganzen Stadt planten, sich den streikenden New Yorker Krankenschwestern anzuschließen, um gemeinsam zu streiken und auf dem Union Square zu protestieren.

Die Chicago Teachers’ Union kündigte an, Proteste vor Filialen von Target zu planen, um sich gegen die Nutzung der Räumlichkeiten des Unternehmens als Basis für Razzien durch die Einwanderungsbehörde ICE zu wehren. Zudem verurteilte die Gewerkschaft die Entführung des fünfjährigen Liam Ramos in Minnesota scharf.

Die Streiks und Massenmobilisierungen geben einen Vorgeschmack auf die Macht der Arbeiter, eine Stadt lahmzulegen. Die Bewegung kann das Selbstvertrauen der Menschen stärken, sich gegen Trumps ICE-Miliz zu wehren. Wenn die ICE nicht verschwindet, sollten die Arbeiter den Kampf fortsetzen und gegen die Bosse streiken.


Bild: Zehntausende trotzen der Kälte, um gegen die ICE zu protestieren (Foto: Mike Auger)

Der Artikel erschien am 23. Januar 2026 auf Socialist Worker.

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