Der rechtsextreme Aktivist Quentin Deranque starb an den Folgen seiner Verletzungen, die er bei einem faschistischen Angriff auf eine Veranstaltung der Partei La France insoumise erlitten hatte. Daraufhin kam es zu einer Verleumdungskampagne gegen die Linke. Von Thomas Foster
Faschistische Mobs haben Frankreich randaliert. Sie haben Büros der Linken und Gewerkschaften angegriffen. Sie sind in Banden von Dutzenden bis Hunderten von Leuten marodierend durch Stadtviertel gezogen.
Die Faschisten versuchen, die Linke nach dem Tod eines rechtsextremen Aktivisten am 14. Februar 2026 als gewalttätig darzustellen.
Quentin Deranque starb jedoch an den Folgen von Verletzungen, die er sich bei einem faschistischen Angriff auf eine Veranstaltung mit Rima Hassan, der Europaabgeordneten für die linke Partei La France insoumise (Unbeugsames Frankreich, LFI), zugezogen hatte. Hassan hatte am 12. Februar auf einer Konferenz am Institut für Politikwissenschaften in Lyon gesprochen.
Faschisten in der Offensive
Faschisten griffen Büros der LFI, die von Jean-Luc Melenchon angeführt wird, in Paris, Lille, Castres, Bordeaux, Toulouse, Montpellier, Angoulême und anderen Orten an. Am Mittwoch, den 18. Februar, gab es eine Bombendrohung gegen die nationale Zentrale der LFI.
Am Sonntag, den 15. Februar, veranstalteten rechtsextreme Organisationen in mehreren Städten Gedenkfeiern für Deranque. In Paris nahmen Hunderte an einer Gedenkfeier teil. Darunter waren auch gewählte Vertreter der faschistischen Partei Rassemblement National (Sammelbewegung, RN) von Marine Le Pen.
Die rechtsextreme Gruppe Les Natifs veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie ihre Aktivisten die LFI-Zentrale in Paris mit Kunstblut bespritzen und Plakate mit Angriffen auf »Antifa« und Mélenchon aufhängen.
»In Paris gab es eine Versammlung von Faschisten. Dutzende von ihnen marschierten durch den 20. Bezirk, ein linkes Viertel«, berichtet Mathieu Socialist Worker. Mathieu ist Organisator der antirassistischen Gruppe Marche des Solidarités.
»Sie marschierten mit Nazisymbolen. Die Lage ist eskaliert und wird sich weiter zuspitzen.«
Die Polizei hat im Zusammenhang mit Deranques Tod elf Personen festgenommen.
Angriff auf linke Versammlung führte zu Konfrontation
Eine Handvoll Aktivisten der »femonationalistischen« faschistischen Gruppe Némésis hatte aufgerufen, gegen die Konferenz mit Hassan zu protestieren und die Veranstaltung zu stören. Sie hielten ein weißes Transparent mit der Aufschrift »Islamo-Linke, raus aus unseren Universitäten« hoch.
Studierende versuchten, gegen die Rechtsextremen vorzugehen, riefen antifaschistische Parolen und wollten ihnen das rassistische Transparent entreißen.
Die Anführerin von Némésis, Alice Cordier, erklärte, die Gruppe hätte ein Sicherheitsteam organisiert, um »einzugreifen«, falls es zu einem Zusammenstoß kommen sollte. Cordier behauptete, dieser Sicherheitsdienst sei »von einer bewaffneten Miliz gelyncht worden«. Sie gab der antifaschistischen Gruppe Jeune Garde antifasciste (Antifaschistische Junge Garde) die Schuld daran. Die Gruppe war als Reaktion auf die zunehmenden rechtsextremen Angriffe in Lyon gegründet worden. Sie hat sich aber im Juni letzten Jahres aufgelöst.
Quentin Derange, ein Nazikader
Ein antifaschistischer Student hat dagegen dem Medienportal Mediapart berichtet, dass eine Gruppe Faschisten sie beim Verlassen des Instituts angegriffen habe. Videos des Angriffs, die diese Woche veröffentlicht wurden, zeigen offenbar, dass die »Sicherheitsgruppe« von Némésis als Erste angegriffen hat.
Es kam zu einer Konfrontation, und im Internet kursieren weitere Aufnahmen, auf denen eine Gruppe drei Männer gewaltsam zusammenschlägt. Némésis erklärte, Deranque, einer ihrer Sicherheitsleute, sei in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht und in ein künstliches Koma versetzt worden. Er starb am 14. Februar an einer schweren Hirnverletzung.
Deranque war in der rechtsextremen Gruppe Action française aktiv. Die Nachrichtenagentur StreetPress beschreibt die Gruppe als »eine der wichtigsten Ausbildungsstätten für rechtsextreme Führer« in Frankreich.
Deranque war auch Mitglied der faschistischen Gruppe Allobroges Bourgoin, die am 9. Mai 2025 gemeinsam mit anderen Nazis aufmarschiert war. Deranque selbst war bei diesem Marsch anwesend.
Die faschistische Gruppe Luminis, die unter anderem Lebensmittel an Obdachlose verteilt, aber ausschließlich »für Weiße«, beschrieb Deranque als »einen nationalistischen Aktivisten, dessen radikales Engagement weit über die Rolle eines ›Sicherheitsagenten‹ für Némésis hinausging«.
Weiter hieß es: »Quentins letzte Worte waren: ›Lasst es uns noch einmal tun, Leute.‹ Wie ihn macht uns der Kampf bis zum Tod glücklich.«
Der Anwalt der Familie Deranque, Fabrice Rajon, behauptete, Deranque sei »weder Sicherheitsbeauftragter noch Mitglied einer Schutztruppe« gewesen.
Hexenjagd auf die Linke
Nach dem Tod von Deranque wurde eine Hexenjagd auf die Linke entfesselt. Politiker und Medien haben LFI angegriffen und versucht, die Partei mit der Tötung in Verbindung zu bringen.
Sie weisen dabei vor allem darauf hin, dass der ehemalige Sprecher der Jeune Garde, Raphaël Arnault, nun Abgeordneter von LFI ist. Außerdem hat die antifaschistische Gruppe zuvor bei einigen Kundgebungen von LFI für Schutz gesorgt.
Eine Sprecherin der französischen Mitte-Regierung griff LFI an. Sie warf der Partei vor, »seit Jahren ein Klima der Gewalt zu fördern«. Sie sagte, die LFI trage »eine moralische Verantwortung« für den Angriff.
Justizminister Gérald Darmanin, der rassistische Gesetze vorangetrieben hat, sagte: »Es ist die extreme Linke, die ihn getötet hat. Daran besteht kein Zweifel«.
Marion Maréchal, Europaabgeordnete und Nichte von Le Pen, sagte: »Die Miliz von Mélenchon hat getötet und hat Blut an den Händen.«
Die sozialdemokratische Parti socialiste (PS) hat erklärt, dass sie wegen der Verbindungen von LFI zur Jeune Garde bei den bevorstehenden Kommunalwahlen kein Bündnis mit der LFI eingehen werde.
Und das französische Parlament hielt diese Woche eine Schweigeminute für den faschistischen Aktivisten ab. Es würdigte damit den Tod eines Neonazis.
Teile der Medien haben die Argumente der Rechtsextremen wiederholt, dass Antifaschist:innen »inländische Terroristen« seien.
In Lyon, einer traditionellen Hochburg der extremen Rechten in Frankreich, gibt es jedoch eine lange Geschichte faschistischer Gewalt. Sie haben linke Versammlungen und Organisationszentralen angegriffen und rassistische und homophobe Angriffe verübt.
Die lokale Nachrichtenagentur Rue89Lyon hat eine Umfrage zu Übergriffen und Hassverbrechen durchgeführt, die von der extremen Rechten in der Stadt begangen wurden.
Seit 2010 wurden 102 Gewalttaten registriert. Etwa 70 Prozent blieben ohne rechtliche Folgen. Sie haben Gewerkschaftsmitglieder verprügelt und linke Aktivist:innen und LGBT+-Personen angegriffen.
Es ist richtig, sich den Faschisten entgegenzustellen
Antifaschisten tun recht daran, sich denen entgegenzustellen, deren politisches Ziel die Zerstörung linker Organisationen und die Ermordung von Minderheiten ist.
Die Mobilisierungen der Rechtsextremen finden im Vorfeld der Kommunalwahlen im März statt. Die faschistische RN hofft auf weitere Erfolge.
Große antirassistische Mobilisierungen können dazu beitragen, das Blatt zu wenden. Marche des Solidarités ruft für den 14. März zu einer Kundgebung gegen Rassismus und Faschismus auf.
Mathieu erklärt: »Wir wollen im ganzen Land große Demonstrationen gegen Rassismus und Faschismus organisieren, um unsere Solidarität mit allen von Faschisten angegriffenen Organisationen zu bekunden und dazu aufzurufen, gegen den Faschismus auf die Straße zu gehen. Das wird unsere Antwort sein, unser Protest gegen die jetzige Lage. Und wir werden dazu aufrufen, nicht bis zum 14. März zu warten, sondern sich in jedem Stadtteil zu organisieren, um zu verhindern, dass die Straßenfaschisten sich wo auch immer zeigen können.«