US-Außenminister Marco Rubio wiederholte die üblichen Klagen der Trump-Regierung über die neoliberale Globalisierung, Massenmigration und einen »Klimakult«, der die »westliche Zivilisation« bedrohe. Von Alex Callinicos.
Jeder Zweifel daran, dass der europäische Kapitalismus es vorzieht, der Juniorpartner der Vereinigten Staaten zu bleiben, wurde durch den Applaus beseitigt, den Marco Rubio am vergangenen Samstag auf der Münchner Sicherheitskonferenz erhielt.
Die europäischen herrschenden Klassen erlitten einen kollektiven Herzinfarkt, als JD Vance sie auf der letztjährigen Konferenz wegen ihrer Dekadenz anprangerte und seine Unterstützung für die extreme Rechte erklärte. Rubio schlug einen viel sanfteren, beschwichtigerenden Ton an.
Er lobte die europäische Zivilisation in den höchsten Tönen und erklärte, dass die USA »immer ein Kind Europas bleiben werden«.
Der Vorsitzende der Konferenz, Wolfgang Ischinger, sagte Rubio, dass nach seiner Rede »ein Seufzer der Erleichterung durch den Saal ging«.
Tatsächlich war der Inhalt von Rubios Rede aber schlimmer als der von Vance. Rubio wiederholte die üblichen Beschwerden der Trump-Regierung über die neoliberale Globalisierung, Massenmigration und einen »Klimakult«, der die »westliche Zivilisation« in den USA und Europa bedrohe. Er unterstrich seine Botschaft, indem er München verließ, um zwei rechtsextreme europäische Regierungen in der Slowakei und in Ungarn zu besuchen.
Loblied auf den westlichen Imperialismus
Rubio sang zudem ein Loblied auf den westlichen Imperialismus. Er sagte: »Fünf Jahrhunderte lang, bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, hatte sich der Westen ausgebreitet – seine Missionare, Pilger, Soldaten und Entdecker strömten von seinen Küsten aus, um Ozeane zu überqueren, neue Kontinente zu besiedeln und riesige Imperien aufzubauen, die sich über den gesamten Globus erstreckten«.
»Aber 1945 schrumpfte er zum ersten Mal seit der Zeit von Christoph Kolumbus. Europa lag in Trümmern. Die Hälfte davon lebte hinter einem Eisernen Vorhang, und der Rest schien bald folgen zu wollen«.
»Die großen westlichen Imperien waren in einen endgültigen Niedergang geraten, beschleunigt durch gottlose kommunistische Revolutionen und antikoloniale Aufstände«. Diese veränderten »die Welt und breiteten den roten Hammer und die Sichel über weite Teile der Landkarte aus«.
Verschiedene Kommentatoren fragten sich, ob Rubio damit andeuten wollte, dass es besser gewesen wäre, wenn Adolf Hitler den Zweiten Weltkrieg gewonnen hätte. Schließlich war es die sowjetische Armee unter dem Banner einer »gottlosen kommunistischen« Ideologie, die die Hauptlast bei der Niederwerfung der Nazi-Kriegsmaschine trug.
Abgesehen von der Geschichte ist dies das erste Mal seit dem Aufkommen der Bürgerrechtsbewegung in den 1950er Jahren, dass die US-Regierung offen für Weiße Vorherrschaft eintritt.
Angesichts Chinas Aufstieg: US-Offensive in der westlichen Hemisphäre
Rubio beleuchtete auch die Ideologie hinter ICE. Er erläuterte deren internationale Auswirkungen. »Wir in Amerika haben kein Interesse daran, höfliche und ordentliche Verwalter des kontrollierten Niedergangs des Westens zu sein.«
Tatsächlich ist aber der Aufstieg Chinas der Grund, warum der US-Imperialismus nicht mehr über die Macht verfügt, seine nach 1945 genossene globale Vorherrschaft wiederherzustellen.
Nichtsdestotrotz ist die zweite Trump-Regierung in der westlichen Hemisphäre in die Offensive gegangen – sie fordert Grönland, entführt den Präsidenten Venezuelas und hungert Kuba aus. Darüber hinaus wächst Trumps Geschmack daran, die enormen militärischen Kapazitäten des Pentagons einzusetzen.
Rubio versicherte seinem Publikum, dass weder »das Zeitalter der westlichen Vorherrschaft« noch »die transatlantische Ära« vorüber seien. Er betonte, dass dies höhere Verteidigungsausgaben der europäischen NATO-Mitgliedstaaten bedeute.
Rubio hat ein Treffen mit europäischen Staats- und Regierungschefs über die Friedensgespräche mit Russland zur Ukraine ausgelassen. Aber es ist sehr unwahrscheinlich, dass Trump aus der NATO austreten wird. Die europäischen Stützpunkte des Pentagons sind ein wichtiges Mittel zum Schutz der globalen Machtabsicherung der USA.
Kanzler Merz mahnt globale Machtstrategie für Europa an
Dennoch wird die Abschreckung Russlands, wie die neue Nationale Verteidigungsstrategie der US-Regierung deutlich macht, in erster Linie eine Aufgabe Europas sein.
Es waren der deutsche Verteidigungsminister und der Außenminister, die Rubio mit stehendem Beifall feierten. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte in München aber, Europa müsse »eine globale politische Macht mit einer eigenen Sicherheitsstrategie werden«. Er kündigte an, Gespräche über eine »europäische nukleare Abschreckung« mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron aufzunehmen.
Frankreich verfügt, im Gegensatz zu Großbritannien, über nukleare Möglichkeiten, die nicht von US-Technologie abhängig sind. Macron spricht von der Notwendigkeit einer »strategischen Autonomie« Europas gegenüber Washington. Wenn er und Merz den schwierigen Weg zur Erreichung dieses Ziels einschlagen, ist so gut wie sicher, dass Trump und Rubio plötzlich die traditionelle Abneigung der USA gegen zu viel europäische Unabhängigkeit wiederentdecken werden.
Dieser Artikel erschien am 16.02.2026 bei socialistworker.co.uk