Etwa 500 Menschen protestierten heute in Köln gegen die brutale Unterdrückung der Aufstandsbewegung in Iran durch den Staat. Ein Bericht von Svu Köln.
Zahlreiche Wortbeiträge wiesen auf die erschütternde Anzahl an Toten hin. Die Staatsmacht der Islamischen Republik ging bei Unterdrückung des Aufstandes brutal vor. Menschenrechtsorganisationen haben bereits eine Opferzahl von mehr als 2.000 verifiziert. Andere Quellen gehen davon aus, dass es zwischen 10.000 und 20.000 Tote gibt.
Große Sorge um Angehörige
In lebendigen und kämpferischen Wortbeiträgen protestierten Teilnehmende gegen die Abschaltung des Internet in Iran und machten teils verzweifelt darauf aufmerksam, wie schwierig bis fast unmöglich es ist, Angehörige vor Ort zu kontaktieren. Die Sorge um die Angehörigen und die Menschen in Iran war auf der Kundgebung, an der mehrheitlich iranstämmigen Demonstrant:innen teilgenommen haben, schmerzhaft spürbar.
Haleb, eine Kundgebungsteilnehmerin berichtete uns: »Wir müssen die Stimme der Iraner sein. Die Menschen im Iran sind stark, aber wir sehen, dass viele Menschen getötet werden. Zuletzt habe ich gehört, dass 23.000 Leute umgebracht wurden.«
Shalih, eine andere Teilnehmerin sagte: »Es ist wichtig, heute für die Menschen in Iran hier zu sein und dagegen zu protestieren, dass die Menschen hingerichtet werden. Die Menschen gehen unbewaffnet auf die Straßen und stellen ihre Forderungen. Sie leisten Widerstand und das iranische Regime massakriert diese Menschen.«
Iranisches Regime von Anfang an gegen Arbeiterbewegung
Behrus, der selbst in der Arbeiterbewegung Ende der 1970er Jahre aktiv war, sagte uns: »Man muss die Arbeiterbewegung und die Lohnabhängigen in Iran unterstützen. Dieses Regime stand von Anfang an gegen die Betriebsbesetzungen, gegen die Arbeiterräte und gegen die gesamte Arbeiterbewegung in Iran; das Regime hat die ganze Arbeiterbewegung niedergeschlagen.
Ich selbst bin ein lebender Beweis dafür. Ich war als Vertreter meines Betriebs in den Arbeiterrat gewählt worden und musste später flüchten. Viele andere Aktivisten aus der Arbeiterbewegung sind damals ins Ausland geflüchtet. Ich bin bei jedem Protest, der diese Regierung schwächer macht, dabei. Aber ich unterstütze nur Arbeiterbewegung und nicht die Kapitalisten dort.«
Die Menschen auf der Kundgebung hatten auch viele, teils selbstgemachte Schilder mitgebracht: »Das Morden hat nicht aufgehört – hört nicht auf, darüber zu sprechen!«, »Iran Revolution«, »Iran 12.000 killed«, sowie »No Internet, no phone, violence is being unleashed«.
Gegen Bomben und Sanktionen
Zeitgleich mit dieser Kundgebung gab es in der Nähe eine Kundgebung von Menschen, die auf eine Rückkehr des Sohns des 1979 gestürzten Diktators Reza Pahlavi hoffen und sich viel von einem Eingreifen von außen aus Washington und anderen westlichen Ländern erhoffen. Jedoch hat der iranische Aufstand das Potenzial, eine weitaus größere Freiheit zu erkämpfen.
Ein wichtiges Argument des Regimes gegenüber der eigenen Bevölkerung ist bereits jetzt, dass alle Probleme dem Land nur von außen aufgezwungen werden. Ein Angriffe der USA oder Israel würde die Situation der Menschen in Iran verschlimmern.
Aber zusätzlich würde es die Argumente des Regimes stärken und viele noch Unentschlossene gegen den Aufstand aufbringen.
Ein Demoplakat wies auf eine wichtige Forderung hin: »Iran regelt seine Angelegenheiten selbst. Keine Einmischung. Souveränität für Iran ohne fremde Eingriffe.«
Titelbild: Svu Köln, Teilnehmende der Kundgebung