Am 11. Januar waren in Köln etwa 120 Menschen auf der Straße, um Oury Jalloh zu gedenken. Ein Bericht von SVU Köln.
Oury Jalloh wurde am 07. Januar 2005 von der Polizei in seiner Zelle verbrannt. Die Polizei behauptete, er habe sich selbst angezündet, während er – an Händen und Füßen gefesselt – auf einer feuerfesten Matte lag. Seither haben Angehörige und Aktivist:innen gemeinsam jeden Schritt der Aufklärung des Falls erkämpft und durch verschiedene Gutachten wurde klar: Das war Mord!
Polizeigewalt ist strukturell
Der Fall von Oury Jalloh zeigt uns, dass wir uns im Kampf um Gerechtigkeit niemals auf den Staat und seine Institutionen verlassen können. Polizeigewalt ist strukturell und Ausdruck eines Systems, das gewaltvoll die herrschende Ordnung durchsetzt. Das zu betonen, war auch vielen Menschen heute sehr wichtig.
Lucia erklärt uns, wieso sie heute da war: »Ich finde es wichtig, auf Demos gegen Polizeigewalt zu gehen, weil oft wird bei diesem Thema nur an die Menschen gedacht, die dadurch schon gestorben oder zu Schaden gekommen sind.
Aber in Wirklichkeit ist es kein Phänomen, das der Vergangenheit angehört. Polizeigewalt ist leider immer noch sehr präsent und wird es auch in Zukunft bleiben. Aus diesem Grund müssen wir auf die Straße gehen und dagegen Stellung beziehen.«
Auch Abdul betont, dass Polizeigewalt immer präsent ist: »Polizeigewalt ist täglich zu spüren: Auf den Demos, auf den Straßen. Vor allem als Migrant:innen und Menschen mit Migrationshintergrund spüren wir das am meisten. Es ist wichtig, dagegen etwas zu tun«
Wie man ein Gedenken aus dem Boden stampft
Das Besondere an dieser Kundgebung war die kurzfristige Planung und Organisation, die genau in den Zeitraum kurz vor Weihnachten und zwischen den Jahren gefallen ist. Wir als SVU Köln haben eine Gedenkveranstaltung zum Mord an Oury Jalloh in Köln vermisst und mussten feststellen, dass es in den letzten Jahren drei Jahren weder Mobilisierung nach Dessau, noch Veranstaltungen vor Ort in Köln gab.
Also haben wir uns kurzerhand dazu entschieden, ein spontanes Bündnis aufzustellen. Wir haben in kürzester Zeit verschiedene Bündnispartner sowie von Polizeigewalt betroffene Menschen mobilisieren können, die mit uns gemeinsam die Kundgebung organisierten.
Auf dieses Bündnis können wir im nächsten Jahr aufbauen, noch breiter aufrufen und so noch mehr Menschen erreichen! Die Veranstaltung hat uns gezeigt, dass es möglich ist, binnen kürzester Zeit etwas auf die Beine zu stellen und Menschen zu mobilisieren.
Das Wichtige ist, diese Mobilisierung zu verbreitern und die Menschen aktiv einzubinden, damit sie sich organisieren und wir langfristig Gerechtigkeit für Oury Jalloh und alle Betroffenen von rassistischer Polizeigewalt erkämpfen können!
Bild: Ein Graffiti Westbahnhof in Frankfurt erinnert an den Mord vor 20 Jahren (Foto von Mitumial).
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