Mahnwache nach dem Mord an Renee durch die ICE.

Proteste gegen die ICE: »Das Beste, was man tun kann, ist sich zu organisieren«

Eine Welle der Wut und Empörung über den Mord an Renee Macklin Good durch einen ICE-Beamten breitete sich am Wochenende in den Vereinigten Staaten aus. Von Judy Cox und Yuri Prasad.

Laut den Organisatoren des Bündnisses »Ice Out for Good« (»ICE raus für immer«) waren mehr als 1.000 Demonstrationen geplant – in den kleinsten Ortschaften und in den größten Städten.

Aber es war Minneapolis, das zum Epizentrum der Proteste wurde. Dort, wo ein Beamter der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE), Jonathan Ross, am vergangenen Mittwoch Renee erschossen hatte. Die ganze Stadt wurde erfasst von berechtigter Wut über den Rassismus des Staates.

Tausende Menschen trotzten Temperaturen unter null Grad, um an der Demonstration im Powderhorn Park teilzunehmen. Einer Gegend, die für ihren hohen Anteil an schwarzen Einwohner:innen bekannt ist.

Es ist auch als das Viertel bekannt, in dem die Polizei 2020 George Floyd ermordete, was weltweit zu einer Wiederbelebung der Black Lives Matter-Bewegung führte.

Am Nachmittag wurden die Straßen rund um den Park von Demonstrant:innen blockiert, von denen viele selbstgemachte Plakate und einige riesige Anti-ICE-Puppen trugen. In gedrückter Stimmung begaben sich die Menschen nach und nach zur Portland Avenue, wo Renee ermordet wurde.

Derin Badewa ist aus Woodbury am Stadtrand angereist. Er sei unter anderem wegen des Drucks, den seine somalischen und mexikanischen Freunde seit Beginn der Einwanderungsrazzien durch die ICE erfahren hätten, zu der Demonstration gekommen.

»Das ist ähnlich wie bei den Nazis. Was die ICE tut, ist faschistisch. Sie reißen Menschen aus ihren Häusern, sie reißen Babys aus ihren Häusern«, sagte er gegenüber MPR News. »Und ich denke, das Beste, was man tun kann, ist, friedlich etwas zu organisieren und zu versuchen, etwas zu ändern.«

Inspiriert durch die Nachbarschaft

Viele in der Menge sagten, sie seien durch Aktionen gegen die ICE in ihrer Nachbarschaft dazu inspiriert worden zu kommen.

»Minnesota hat das Zeug dazu, eine Vorreiterrolle für andere Bundesstaaten einzunehmen. Unsere Gemeinschaft ist so widerstandsfähig, unsere Menschen sind so widerstandsfähig«, sagte Lizzie Dawodu aus Minneapolis.

»Letztendlich ist das einfach das, was uns als Bundesstaat und als Volk ausmacht. Das ist Minnesota.« Judy Shields, eine Einwohnerin von Minneapolis, stimmte zu. »Ich finde es großartig«, sagte sie. »Offensichtlich kommen wir hier in Scharen heraus, das ist Minneapolis, man, das ist Minnesota. Wir stehen füreinander ein.«

Am Abend vor dem Marsch im Powderhorn Park gingen im Zentrum der Stadt Tausende auf die Straßen.

Angeführt von einer Gruppe indigener mexikanischer Tänzer:innen marschierten die Demonstrant:innen zum Canopy Hotel, in dem einige ICE-Beamte untergebracht waren. Sie skandierten: »Keine Gerechtigkeit, kein Frieden – ICE raus aus unseren Straßen.«

»Ich bin wahnsinnig wütend, völlig untröstlich und am Boden zerstört; und dennoch sehne ich mich einfach danach und hoffe, dass sich die Dinge zum Besseren wenden«, sagte Ellison Montgomery gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Polizei von Minneapolis erklärte in einer Stellungnahme, dass »mehrere hundert Menschen« anwesend gewesen seien und »einige Personen gewaltsam durch einen Hintereingang in das Hotel eingedrungen seien«.

Online veröffentlichte Videos zeigten Demonstrant:innen, die mit hellen Lichtern in das Hotel leuchteten, Trillerpfeifen bliesen und auf Trommeln schlugen. Die Polizei teilte mit, dass auch ein anderes Hotel in der Stadt beschädigt worden sei.

Wut ist die richtige Reaktion 

Führende Mitglieder der Demokratischen Partei der Stadt, die versucht hatten, die antirassistische Opposition anzuführen, erklärten daraufhin alle Proteste in der Innenstadt für illegal.

Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, beharrte darauf, dass das Ausleben von Wut nur bedeute, dass man »Donald Trumps Köder schlucken« würde.

Angesichts der stark militarisierten ICE-Beamten, die in der Stadt patrouillieren, ist es leicht verständlich, wenn viele Freys Aufruf Folge leisten werden. Dennoch ist Wut die völlig richtige Reaktion auf das, was in Minneapolis und unzähligen anderen Städten im ganzen Land geschehen ist.

Trump nimmt gezielt die große somalische Bevölkerung der Stadt ins Visier und bezeichnet sie als »Abfall«. Er hat die ICE bewusst eingeschaltet, um ihnen Angst einzujagen. Um ihr Haus verlassen zu können, müssen Somalier:innen nun nicht nur ihren Ausweis, sondern auch ihren Reisepass mit sich führen, um sich vor der ICE zu schützen. Und die ICE ist überall in der Stadt.

ICE nimmt speziell Schulen ins Visier

Lehrer:innen der Stadt berichten, dass die ICE speziell ihre Schulen ins Visier nimmt.

»Wir haben gesehen, wie ICE-Beamte in Roseville Kreise um das Schulgelände herum zogen und darauf warteten, dass Familien ihre Kinder abholten«, sagte Monica Byron, Präsidentin von Education Minnesota.

»Jeder Moment, in dem ICE in der Nähe unserer Schulen bleibt, gefährdet Kinder, Pädagogen und Familien.«

Die Bedrohung ist real, sagte Catina Taylor von der Lehrergewerkschaft der Stadt. »Erwachsene Männer setzen Pfefferspray gegen verängstigte Highschool-Schüler auf dem Schulgelände ein«, sagte sie.

Solidarische Aktionen unter den Eltern

Einige Eltern in der Stadt sind so besorgt, dass sie begonnen haben, Fahrten mit dem Auto zu organisieren, um sicherzustellen, dass Schüler mit Migrationshintergrund sicher nach Hause kommen – und dass diejenigen Familien genug zu essen haben, die sich nicht trauen, das Haus zu verlassen.

»Es begann in kleinem Rahmen, etwa in der zweiten Dezemberwoche. Wir haben 12 Kinder gefahren, in der nächsten Woche waren es schon 18. Dann kamen die Feiertage und ich fragte mich: »Haben diese Familien genug zu essen?« Ich habe nachgefragt und festgestellt, dass sie nichts zu essen hatten, also habe ich für alle Lebensmittelpakete organisiert«, sagte die Mutter Jennifer Arnold.

Andere Eltern haben Ähnliches getan. Christian Glanville, dessen Kind eine Schule in Minneapolis besucht, sagte, er habe gesehen, wie ICE-Beamte in seiner Nachbarschaft Fahrzeuge gerammt hätten.

»Das ist eine sehr direkte Androhung von Gewalt«, sagte er. »Das Leid in unserer Stadt ist derzeit weit verbreitet … Als Eltern können wir es derzeit nicht riskieren, unsere Kinder irgendwohin mitzunehmen. Die ICE muss verschwinden.«


Dieser Artikel erschien zuerst am 11. Januar 2026 auf Socialist Worker

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